Zwischen Welten

Ein sentimentaler Kommunikator zwischen den Fronten.

Originaltitel: Zwischen Welten
Produktionsland: Deutschland
Veröffentlichungsjahr: 2014
Regie: Feo Aladag
Drehbuch: Feo Aladag
Produktion: Feo Aladag
Kamera: Judith Kaufmann
Montage: Andrea Mertens
Musik: Jan A. P. Kaczmarek
Darsteller: Ronald Zehrfeld, Mohamad Mohsen, Saida Barmaki, Salam Yosofzai, Pit Bukowski, Tobias Schönenberg
Altersfreigabe: FSK /
Laufzeit: 103 Minuten

Jesper (Ronald Zehrfeld) ist Soldat bei der Bundeswehr. Obwohl sein Bruder bei einem Einsatz in Afghanistan ums Leben gekommen ist, meldet er sich erneut zum Militärdienst in dem umkämpften Land. Der Auftrag seiner Truppe ist es, ein kleines abgelegenes Dorf vor den Taliban zu schützen, die in dieser Region zunehmend an Einfluss gewinnen. Unterstützt werden die Soldaten dabei von dem jungen, afghanischen Dolmetscher Tarik (Mohamad Mohsen).

Für die Deutschen ist es schwer, das Vertrauen der Dorfgemeinschaft und der verbündeten Arbaki-Milizen zu gewinnen. Zu groß sind die kulturellen Unterschiede. Dolmetscher Tarik scheint sich dabei zwischen Welten hin und her zu bewegen. Außerdem ist die Aufgabe des Übersetzens für den jungen Afghanen nicht ungefährlich – er wird von den Taliban bedroht, weil er für die Deutschen arbeitet. Um die Schwester seines Freundes zu retten, setzt sich Jesper über die Befehle seiner Vorgesetzten hinweg, was gravierende Folgen hat.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Zwischen Welten gilt es zu kommunizieren. Auf der einen Seite die deutsche bzw. westliche Welt, die Versprechungen von Frieden und Demokratie macht, auf der anderen Seite die nahöstliche Welt, über die wir zu urteilen wagen, dass sie im Argen liegt. Es ist eine Kommunikationsschwierigkeit, die sich „Zwischen Welten“ auflädt auszuformulieren. Wie wollen wir den afghanischen Menschen im Krisengebiet helfen, wenn unser Gehorsam gegenüber bürokratischer Kleinstgenauigkeit uns verbietet z.B. eine Kuh zu ersetzen, die bei einem Kriegseinsatz zu Tode kommt. In dieser Szene in Feo Aladags Film wird ein Werteunterschied bemerkbar. Was dem einen ein Objekt ist, ist dem Anderen die Existenzgrundlage. Was dem einen ein Kollateralschaden ist, ist dem anderen der ganze familiäre Stolz. Feo Aladags Film hätte ein interessantes Statement zum Nahostkonflikt und vor allem unseren Umgang damit werden können, doch verzettelt er sich in Sentimentalitäten.

Aladags Mütterliche Behutsamkeit

Fast mit mütterlicher Behutsamkeit führt Aladag die beiden Hauptfiguren ein, die stellvertretend für die beiden Welten sind, die in „Zwischen Welten“ auf einander prallen: Jesper, der deutsche Soldat, der in den Krieg zieht, obwohl (oder weil?) sein Bruder in ebenjenem Krieg ums Leben gekommen ist. Und Tarik, der Dolmetscher, der versucht seine Schwester und sich über die Runden zu bringen, aber mit Anfeindungen im eigenen Volk zu kämpfen hat, weil er als Kollaborateur mit den Alliierten gilt. Aladag lässt die Zuschauersympathien auf beiden Figuren zu, das ist ein erster Schritt einer Kommunikation zwischen den Welten.

Sentimentalität als Mittler

Doch so offensichtlich sich der Film als Kommunikator zwischen den beiden Lagern versteht (nicht zuletzt wird mehr über den Job des Dolmetschers als der des Soldaten dokumentiert), so sehr wählt er auch von Anfang an einen schwierigen Weg dazu: den der Sentimentalität. Jesper hat seinen Bruder im Krieg verloren, der Araki-Anführer Haroon gleich zwei. Egal wie der aktuelle Auftrag des Soldatentrupps aussieht, Zeit für rührselige Vieraugengespräche zwischen Jesper und seinem Übersetzer Tarik gibt es immer.

An einem Antikriegsfilm ist Aladag eh nicht interessiert, zweimal als es in einer Gefechtszene plötzlich laut wird, ist sie ebenso plötzlich wieder abgebrochen. Krieg interessiert nicht, es sind die Menschen und Wertevorstellungen, weniger Waffen, die in Afghanistan aufeinander treffen. Der Kommunikationsakt verliert aber seine Wirksamkeit, in dem sich der Film darauf konzentriert, ausrechenbare Plotpoints zur Überdramatisierung persönlicher Schicksale abzuarbeiten.

TV-Produktionshaftigkeit

Feo Aladags Film beansprucht für sich selbst den Austausch zwischen zwei Welten zu ermöglichen, liefert aber bestenfalls eine bessere TV-Produktion mit ausgelutschter Botschaft ab, dass man den Helden spielen und sich der deutschen Befehlsgenauigkeit widersetzen muss, um den Menschen in Afghanistan wirklich zu helfen. Davon gehe ich nicht aus.

4/10

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