Trash Humpers

Ein Youtube-Video in Überlänge.

Originaltitel: Trash Humpers
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2009
Regie: Harmony Korine
Drehbuch: Harmony Korine
Produktion: Agnès b., Charles-Marie Anthonioz, Amina Dasmal, Robin Fox
Kamera: Harmony Korine
Montage: Leo Scott
Darsteller: Rachel Korine, Harmony Korine, Brian Kotzur, Travis Nicholson
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: 78 / 97 Minuten

Der Film folgt einer Gruppe von ‘älteren’ Menschen, die große Freude an der puren Zerstörungslust haben. Sie tragen seltsame Masken und es weder auszumachen wer sie sind, woher sie kommen, noch was sie eigentlich wollen. Der Zuschauer wird zum Voyeur der seltsamen Machenschaften, die häufig boswilligen oder sexuellen Intentionen folgen.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Als „Trash Humpers“ Premiere in Nashville, Tennessee feierte, saß Gaspar Noé im Publikum, der so eben sein Meilenstein „Enter the Void“ fertig gedreht hatte und als Teil der arte-Durch-die-Nacht-Reihe in der Stadt war, um sich mit Harmony Korine zu unterhalten. Was die arte-Kamera nicht zeigte und was lediglich Spekulation bleiben kann, ist die Frage, ob durch dieses Zusammentreffen vielleicht der Kontakt Korines mit Noés Abo-Kameramann Benoit Debie zustande kam, mit dem Jahre später Korines „Spring Breakers“ entstehen sollte. Ein Film, der bewies, dass die Venedig-Teilnahme des umstrittenen „Gummo“ samt lobender Erwähnung der Fipresci-Jury kein Zufall war, sondern tatsächlich etwas mit Können zu tun hatte. Lange Einleitung, kurzer Sinn: Anno 2009 musste man sich bei „Trash Humpers“ noch fragen, ob Korine nicht doch nur eine talentlose Skandalnudel sei.

Kein Godard-Lucky-Punch

„Trash Humpers“ bietet tatsächlich mehr als man vom Namen her erahnen könnte. Es werden nicht nur Mülleimer gefickt. Nein, es gibt auch korpulente Prostituierte, an Fahrrädern befestigte Baby-Puppen, die am Boden entlang geschliffen werden und mein persönlicher Favorit: Einen Riesenberg Pfannkuchen, der mit irgendeinem grünen Waschmittel garniert und tatsächlich gegessen wird. Was Trash-Schauwerte angeht, kann „Trash Humpers“ ein paar Momente zum Weitererzählen an Männerabenden bieten, aber selbst Hartgesottenen dürfte die VHS-Pixelkotze-Optik ein anstrengendes Sehvergnügen bereiten.

Was den Film letztlich misslungen macht, ist die Planlosigkeit des Films, die natürlich Stilmittel ist, aber nicht verbergen kann, dass Korines Drehbuchprogramm wahrscheinlich permanent ausgeschalten war und er stattdessen mit seinen Kumpels verkleidet losgezogen ist und in der Stadt Terror geschoben hat. Harmony Korine ist ein sympathischer Kerl und ich hätte es genauso gemacht, aber den Godard-Luckypunch daraus noch einen interpretierbaren Kunstfilm zu machen, den man als gelungen bezeichnen könnte, kann man in „Trash Humpers“ beim besten Willen nicht erkennen.

Youtube in Überlänge

Natürlich lässt sich der Film sozialkritisch lesen und stellt eine Art Übertreibung des „Gummo“-Prinzipis dar. Wie gottverlassen muss eine Gesellschaft sein, damit sie den Koitus mit Müll vollzieht? Die Baby-Puppe, die durch den Dreck geschleift wird als Kontrast zum geborenen Baby am Ende des Film ist ebenso ein interessantes Detail. Das beste Bild, dass Korine findet, ist jedoch, dass im Anzug gekleidete Basketballkind, dass die Baby-Puppe bestialisch zerstört und sich danach von den Trash-Opas wie von Pferden ziehen lässt. Letztendlich ist Korine aber nie ernsthaft daran interessiert, diese Ansätze zu einem Ganzen zusammenzuführen, sondern verschanzt sich recht uncouragiert hinter der künstlerischen Freiheit, sich einer Narration gänzlich zu erwehren.

Die „Trash Humpers“ fügen dem Korine-Werk einen durchaus sehenswerten Gehversuch im Tabubrechen hinzu, der aber noch keinen gelungenen Film macht. Der Dreh des Films dürfte deutlich mehr Spaß gemacht haben als die Sichtung des Films. Ein Youtube-Video in Überlänge. Vielleicht hat Korine von seinem Direktübergang vom White-Trash-Kid zum Autorenfilmer nie gelernt, dass niemand 75 Minuten lang Youtube-Videos ansehen will.

35%

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