Trainspotting — Neue Helden

Über das Nein-Sagen: Boyle schenkt den Nonkonformisten einen Kultfilm.

Originaltitel: Trainspotting
Produktionsland: Großbritannien
Veröffentlichungsjahr: 1996
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: John Hodge
Produktion: Andrew Macdonald
Kamera: Brian Tufano
Montage: Masahiro Hirakubo
Musik: Damon Albarn
Darsteller: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Robert Carlyle, Johnny Lee Miller, Kevin McKidd, Kelly Macdonald, Peter Mullan, James Cosma, Irvine Welsh
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 94 Minuten

Mark (Ewan McGregor) ist ein Junkie. Sein Revier ist ein trister Teil Edinburghs, und sein grauer Alltag dreht sich von morgens bis abends um den nächsten Schuss. Irgendwann, so glaubt er, wird er einmal davon loskommen, aber mit kaputten Freunden wie Sick Boy (Jonny Lee Miller), Spud (Ewen Bremner) und Begbie (Robert Carlyle) ist daran gar nicht zu denken. Was immer er versucht, er scheitert kläglich, bis sich eines Tages die Chance seines Lebens bietet – in Form von zwei Kilo seines Lieblingspulvers allerfeinster Qualität.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Dafür, dass ich Danny Boyle gar nichtmal so gut finde, habe ich wahrscheinlich jeden Film von ihm gesehen. Vielleicht liegt es daran, dass Boyle-Filme immer breit diskutiert werden und man doch nie so recht an ihnen vorbeikommt, vielleicht liegt es aber auch einfach an „Trainspotting“. Für die Romane, die auf Boyles Preproduction-Schreibtisch landen, findet er ja immer wieder genug Fantasie und Herzblut, langweilig sind sie nie, aber hinter „Trainspotting“, seinem berühmten Hollywood-Türöffner, blieb er doch immer zurück. Warum eigentlich? „Trainspotting“ ist auch vor allem erstmal eins: Unterhaltung. Nur keine, die kompromissbereit für das Publikum geschrieben wurde, sondern andersrum vom Publikum gefunden wurde. Ein Kultfilm eben.

Wünschen der Herr vielleicht ein Knoblauchbaguette?
Nein, danke. Ich beginne direkt mit der intravenösen Injektion harter Drogen.

Go with the flow

Die Faszination liegt darin, dass Boyles Quasi-Debütfilm einen Flow aus schwarzhumorigen Wortwechseln, raffinierter Erzähltechniken, skurriler Tableaus und unverwechselbaren Figuren entwickelt, der sich dann auch noch das Recht herausnehmen kann, sich selbst nie hundertprozentig ernstzunehmen und somit das in Reinform destilliert, was man immer so leichtfertig als „Charme“ zu betiteln geneigt ist. Begbies Story beispielsweise wird zweimal erzählt, einmal aus seiner eigenen verzerrt-angeberischen Perspektive und einmal aus der tatsächlichen Beobachterposition des ehrlichen Tommys (auch wenn diese möglicherweise ebenso verzerrt bebildert wird, weil sie in diesem Moment Rentons Fantasie entspringt). Durch diesen Kontrast wird die Figur „Begbie“ besonders gekonnt und im Flow des Films bleibend charakterisiert.

Nonkonformisten mit konformistischem Ausweg

„Trainspotting“ spricht jenen aus der Seele, die sich abkapseln, weil sie schnell begreifen, dass sie anders sind und bei den Meisten auf Granit beißen. Ein Film, den daher die meisten verstehen, aber beileibe nicht alle fühlen werden. Dabei geht es weniger um den exzessiven Heroinkonsum, der hier realitätsnah dargestellt wird, sondern um das, was er aussagt: Das Nein-Sagen. Den Verzicht auf den Anschluss in der Gesellschaft, dafür zu einer Exilgemeinschaft anzugehören, die ihre eigene Kaputtheit zelebriert, aber letztlich an dieser auch zu zerbrechen droht. Im Endeffekt ist jeder für sich alleine („There was no such thing as society and even if there was, I most certainly had nothing to do with it.„) und so propagiert das Ende des Films eine alles andere als kollegiale und ebensowenig nonkonformistische Flucht als Ausweg zurück ins Leben.

„Trainspotting“ ist ein Film über den man mehr vom Herzen schwärmen als wirklich Handfestes schreiben kann. Am Liebsten würde man ihn als „Kultfilm“ abstempeln und es dabei belassen. Was Danny Boyle schuf, ist schwerlich zu wiederholen, weswegen abzuwarten ist, ob Danny Boyle sein Werk jemals toppen wird. 2016, zwanzig Jahre nach „Trainspotting“, soll Boyle wohl aber eine ernsthafte Chance bekommen. Dann nämlich soll „Trainspotting 2“ in Originalbesetzung erscheinen.

8/10

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