The Wolf Of Wall Street

Ein Rückbezug auf „Casino“ und „Good Fellas“.

Originaltitel: The Wolf Of Wall Street
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2013
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Terence Winter
Produktion: Riza Aziz, Leonardo DiCaprio, Joey McFarland, Martin Scorsese, Emma Tillinger Koskoff
Kamera: Rodrigo Prieto
Montage: Thelma Schoonmaker
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Jon Bernthal,Kenneth Choi, P. J. Byrne, Brian Sacca, Ethan Suplee, Henry Zebrowski, Jean Dujardin u.A.
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 179 Minuten

The Wolf of Wall Street basiert auf der gleichnamigen Autobiographie des Börsenmaklers Jordan Belfort, der im Film von Leonardo DiCaprio verkörpert wird. Das Wall-Street-Drama widmet sich dem Aufstieg und Fall des New Yorker Brokers. Der Millionär Jordan Belfort war in den 1990ern in krumme Börsengeschäfte und einen Korruptionsskandal verwickelt. Der Broker wurde 1998 unter anderem wegen Geldwäsche und Wertpapierfälschung angeklagt und musste anschließend für 22 Monate ins Gefängnis. Außerdem führte er mit seinen Broker-Kollegen ein ausschweifendes Partyleben und hatte ein ernsthaftes Drogenproblem.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Ja, Martin Scorsese war ein Autorenfilmer und ist jetzt ein Kommerzfilmer, der völlig uninteressant geworden ist.“ diese doch sehr harten Worte fand Regie-Kollege Michael Haneke gegenüber Scorsese. Diese Streitfrage umgehend, sei empfohlen direkt darauf überzugehen, was Hanekes Position mit Scorseses neuestem Werk „The Wolf Of Wallstreet“ zu tun hat: Auch wenn der neueste Streich Scorseses wieder einmal eine Verfilmung einer Biografie ist, fällt doch ein recht deutlicher Rückbezug auf Scorseses Autorenfilme „Casino“ und vor allem „Good Fellas“ auf. Es scheint, als wolle Scorsese, der bereits sein baldiges Karriere-Ende lose verkündete, als der Macher von filmischen Epen in Erinnerung bleiben, der er in den 90ern sicher auch noch in den Augen Michael Hanekes war.

Nostalgien des eigenen Œuvres

Vor allem im Bezug zum Humor fällt auf, wie sehr Scorsese in Nostalgien seines eigenen Œuvres schwelgt. Wer bei „Good Fellas“ über Spider und Billy Bats lachen konnte, wird „The Wolf Of Wallstreet“ als Komödien-Erlebnis der Extraklasse erleben. Jordan Belfort ist genau das im mafiösen Prunk lebende Arschloch, das Scorsese braucht, um Vulgaritäten, Drogeneskapaden und Wortwechsel, die einzig aus Hasstiraden zu bestehen scheinen, zu einem gelungenen Cocktail zusammen zu rühren. Ein Rausch stellt sich aber nicht ein, das liegt auch daran, dass „The Wolf Of Wallstreet“ sich über die drei Stunden Laufzeit nie neu erfindet und nur auf stetes Nachlegen von Asshole-Attitüden aus ist.

Kapitulation vor den Belfort-Memoiren

Der Unterhaltungsfilm-Ansatz macht zwar die Überlänge mehr als erträglich, beißt sich aber in den Schwanz, wenn es darum geht, den Film als Charakter-Porträt zu begreifen. Jordan Belfort mag im Film ein Riesenarschloch sein, er wird von Scorsese aber mit voller Absicht zu einer Filmfigur mit Coolness-Faktor hochgepusht, die — auch das ist wichtig — auch am bittersten Ende nie seine Siegerrolle verliert. Das ist eine mutlose Kapitulation vor den Memoiren Belforts, eine verpasste Chance, das Leben Belforts zu kommentieren. Vor allem in den eindeutig übertriebenen Szenen (Meeresszene) geht Scorsese mit voller Absicht den Übertreibungen der Buchvorlage auf den Leim. Ein großer Unterschied übrigens zum früheren Scorsese-Film „Raging Bull„, der einen viel kritischeren Umgang mit der Box-Persönlichkeit Jake LaMotta pflegte.

Suchtpotenzial ohne Berauschung

Dass ich nach wie vor das Mädchen heirate, das mit mir über die Spider-Szene aus „Good Fellas“ lacht, ist der Grund, warum „The Wolf Of Wallstreet“ für mich dennoch funktioniert. Nein, es ist kein Epos geworden. Und schon gar kein Autorenfilm. Aber es ist ein Film wie er in Größe und Schwärze seines Humors eben selten auf der Leinwand zu sehen ist. Die scharfzüngigen Dialoge machen süchtig, ohne zu berauschen. Das hat auch mit dem Timing zu tun, das Scorsese nicht mehr so perfekt beherrscht wie in seinen Großwerken „Casino“ und „Good Fellas“, die zu den besten amerikanischen Filmen der Geschichte zu zählen sind.

Ein Film über Methaqualon

„The Wolf Of Wallstreet“ wird in die Geschichte eingehen, als der Film über Methaqualon. Die im Film „Ludes“ genannte Droge stellt den besonderen Status dar, den Jordan Belfort sich durch seine Karriere erarbeitet: Das Recht auf Jugendlichkeit, bzw. später sogar die folgenschwere Infantilisierung. Nach dem Erwachsenwerden durch einen erfolgreichen Job, dem Beherrschen der Welt durch die Droge (Kokain), geht Jordan den Schritt weiter, die Welt der Drogen beherrschen zu wollen, sich das Recht auf geistige Rückentwicklung, auf Verantwortungsabstreifung, letztlich auf einen Eskapismus aus dem Alles-erreicht-habens zu erkaufen, scheitert aber an der Droge. Das ist die eigentliche Tragik des Films, die Scorsese aber nicht als solche ausspielt, sondern für Pointen aufbewahrt, die den Film im Komödiengenre belassen, eine nähere Beschäftigung mit der Figur Jordan Belforts, außer der Anbetung der Anything-Goes-Coolness, jedoch versagt.

Fazit

Was für die Figur Jordan Belfort gilt, gilt gleichermaßen auch für den Film selbst: Ein bisschen weniger Eskalation wäre wohl mehr gewesen. „The Wolf Of Wallstreet“ geht im Rausch seiner Überdosierung beinahe unter, funktioniert als Entertainment jedoch nichtsdestotrotz.

7/10

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