The Night Of The Hunter

Märchenhafte Überzeichnung: Laughtons Kanonfilm wirkt wie ein Kinderfilm.

Originaltitel: The Night Of The Hunter
Alternativtitel: Die Nacht des Jägers
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 1955
Regie: Charles Laughton
Drehbuch: Charles Laughton, James Agee
Produktion: Paul Gregory (United Artists)
Musik: Walter Schumann
Kamera: Stanley Cortez
Montage: Robert Golden
Darsteller: Robert Mitchum, Shelley Winters, Billy Chapin, Sally Jane Bruce, Peter Graves u.A.
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 89 Minuten

Der zum Tode verurteilte Gefängnisinsasse Ben Harper (Peter Graves) hat irgendwo auf seinem Grundstück 10.000 US-Dollar versteckt. Sein Zellengenosse Harry Powell (Robert Mitchum) steht kurz vor seiner Entlassung. Als Powell von dem Geld erfährt, hat er nur noch ein Ziel: Das Geld zu finden. Wieder auf freiem Fuß macht er sich auf den Weg zum Haus der Familie Harper. Als leidenschaftlicher Prediger gewinnt er schnell die Herzen der Menschen, auch das von Mrs. Harper (Shelley Winters). Die ahnt noch nichts von Powells psychopathischer Natur – bekommt sie aber bald zu spüren. Schließlich findet der gewalttätige Powell heraus, dass die Kinder Pearl und John wissen, wo das Geld versteckt ist. Für die beiden beginnt eine albtraumhafte Jagd.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Charles Laughtons „Night of the Hunter“ wird posthum zum erweiterten Kreis der Film-Noir-Meilensteine gezählt, obwohl er zu seiner Zeit von der Kritik nicht gut aufgenommen wurde, so fatalen Gegenwind gar bekam, dass Laughton wieder in den Schauspielerberuf wechselte und nie wieder Regie führte. Ein Film, der in der heutigen Rezeption durch optische Eigenheit und Brillanz Respekt gezollt bekommt, so radikal auf kunstvolle Schattenspiele des deutschen expressionistischen Film zurückgreift, dass es sogar für das Genre des Film Noirs (das er inhaltlich kaum bedient) wieder ungewöhnlich ist.

Kein Schauspiel-Film

Ansehen sollte man sich „Night of the Hunter“ sicherlich. Die Verbeugung Laughtons vor den deutschen Expressionisten ist eine elegante, die Unterwasser-Szene ist unvergesslich gut inszeniert, die Licht- und Schattenspielereien von märchenartiger Schaurigkeit und affektieren die Empfindungen der Figuren. Zwischen Tag und Nacht wird zwischen High- und Low-Key-Beleuchtung gewechselt, sodass der Film tagsüber und nachts sich tatsächlich wie zwei verschiedene Filme anfühlt. Das ist erzählerisch aber eher ärgerlich, denn wo man sich nachts noch auf den Grusel des Films einstellen kann, kommt der Film in der zweiten, überwiegend am Tag spielenden Hälfte nicht mehr um unfreiwillig alberne Szenen aus, was den monovalenten Wanderpfarrer, Harry Powell, schließlich zum Abschuss freigibt. Ironisch, dass der Schauspieler Charles Laughton in seiner einzigen Regie-Arbeit einen Film abliefert, der fast ausschließlich hinsichtlich der Kamera zu überzeugen weiß.

Kinderfilmartige Dramaturgie

Die damalige Filmkritik, der „Night of the Hunter“ ausgeliefert war, kann ich leider ziemlich gut nachvollziehen. Hinter all der wirksamen Schönheit steckt ein Blender. Eine Inkonsistenz, so albern und bigott wie seine Hauptfigur. Die zieht selbstverliebt und unaufhaltsam durchs Land und ermordert „moralisch verfallene“ Frauen, um von ihrem Geld, eine eigene Kirche errichten zu können. Genauso plakativ wie seine popkulturell viel zitierten „Love“-&-„Hate“-Tätowierungen ist auch die Gesellschaftskritik des falschen Predigers, der böswilligen Ausnutzung des letzten Strohhalms Religion, dem Pfarrer ins Profil gestanzt.

Märchenhafte Überzeichnung der Figuren mag ein erzählerisches Stilmittel sein, das sich zudem mit den realitätsfremden Beleuchtungseffekten verträgt, aber spätestens nach der Hälfte des Films macht es die den Pfarrer zu einem comichaften Abziehbild eines Bösewichts, wie er in jedem zweiten Kinderfilm der letzten zwei Jahrzehnte vorkam. Dieser Film war vor seiner DVD-Auswertung vor einem Jahrzehnt ab 18 Jahren freigegeben (!). Für mich funktioniert „Night of the Hunter“ bestenfalls als Kinderfilm, um die Kids von heute an die Schönheit von Schwarzweiß-Kino zurückzugewöhnen.

Ein nerviger religiöser Unterton

Zur luminös leuchtenden Weißglut hat mich „Night of the Hunter“ nicht gebracht, enttäuscht dafür umso mehr. Fraglich wie sehr man den Film dafür verurteilen muss, dass das Schauspiel der Kinderdarsteller unterirdisch ist, jede Figur schablonenhaft und sein Frauenbild nur naive Dummchen und Beschützerinnen der „heilen Welt Familie“ zulässt. Der religiöse Unterton, der in regelmäßigen Abständen unterwürfig Bibelverse zitieren und diese in einen schlecht gedachten Zusammenhang mit der Geschichte bringen muss, ist aber definitiv nervig, war schon immer nervig und wird auch noch nervig sein, wenn „Night of the Hunter“ in 50 Jahren in der Filmforschung einen noch größeren Kult genießen sollte. Warum auch immer.

44%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.