Straw Dogs (2011)

Rod Lurie seziert im Peckinpah-Remake Redneck-Mechanismen.

Originaltitel: Straw Dogs
Alternativtitel: Straw Dogs — Wer Gewalt sät
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2011
Regie: Rod Lurie
Drehbuch: Rod Lurie
Produktion: Marc Frydman
Kamera: Alik Sakharov
Montage: Sarah Boyd
Musik: Larry Groupé
Darsteller: James Marsden, Kate Bosworth, Alexander Skarsgård, Dominic Purcell, Laz Alonso, Willa Holland, James Woods, Rhys Coiro, Walton Goggins, Anson Mount u.A.
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 109 Minuten

David Sumner und seine Frau Amy zwei weltgewandte Städter, ziehen nach dem Tod von Amys Vater in ihre alte Heimatstadt, dem idyllisch gelegenen Blackwater, im tiefen Süden Mississippis. Jeder weiß hier viel über den anderen. Und der wöchentliche Höhepunkt in dem Städtchen ist das Footballspiel am Freitagabend. Aber die Idylle trügt. Während Amys Ex-Freund Charlie und seine Football-Mannschaft der attraktiven Amy nachstellen, laden Sie den arglosen David zu einer Jagdpartie ein, die nach und nach in einer Gewaltspirale mündet. Als dann noch die Tochter des ehemaligen Football Coaches Tom Heddon vermisst wird, gerät die Situation völlig außer Kontrolle und endet in einer extrem gewaltsamen Konfrontation.
Quelle: Amazon.de

Kritik:

Sam Peckinpahs legendäre Reise ins Tierische und Triebische „Straw Dogs“ hat wohl zweifellos eines der furiosesten und besten Finals der Filmgeschichte. Darin fungiert die unvergleiche Peckinpah-Inszenierung von Gewalt als untergeordnetes Element in seiner Geschichte von Gerechtigkeit, Selbstjustiz und das dunkle Innere des Menschen. Sicher ein Film, den man sich nicht unbedingt für ein Remake aussucht, wenn man versuchen will, das noch Original zu verbessern. Dass der neue „Straw Dogs“ aber nicht nur Geldmacherei, sondern tatsächlich der ehrliche Versuch ist, sich ernsthaft mit dem Peckinpah-Klassiker auseinander zu setzen, rettet in diesem Film viel — u.A. das reine Konsumvergnügen des Publikums — aber nicht alles.

Südstaatenmentalitätsanalyse

Das Wichtigste vorweg: „Straw Dogs“ interpretiert den Peckinpah-Vorgänger minimal und verpasst ihm ein ganz neues Setting. Wo früher das britische Agrarland inmitten der 60er Jahre den Handlungsort stellten, ist es in dieser Fassung das modern day Mississippi. Überraschenderweise ist das eine, wenn nicht die Stärke vom neuen „Straw Dogs“. Der Film wird dadurch zu einem, der sich sehr direkt, manchmal ein bisschen übereilig mit der Südstaatenmentalität auseinandersetzt und kein gutes Haar an ihr lässt. Man kann das fast unterhaltsam finden, wie die Mentalität der fiktiven Mississippi-Kleinstadt Blackwater gezeichnet wird. Hier gibt es ein paar wenige Grundpfeiler, an denen nicht gerüttelt werden darf: Football, Wildjagd, die Bar, in Pickups rumfahren und die Kirche. Die ultimative Redneck-Stadt. Wenn man nicht wüsste, dass der Film sich keineswegs in völliger Überzeichnung, sondern in durchaus legitimen Darstellungen anstellt, könnte man das Ganze für extrem karikarisch halten

Ein Hemd zuknöpfen

Ähnlich wie ein „Red, White & Blue“ macht sich der Film also auf, die Redneck-Mechanismen zu untersuchen, zu zeigen, wie sich eine Gesellschaft religiös-tradierter, patriarchalischer, lokalpatriotischer Proletarier im Kreis dreht. Und die Buchvorlage The Siege of Trencher’s Farm scheint tatsächlich wie gemacht dafür dieses dörfliche Selbstverständnis zu sezieren. Kann man machen.

Im Gegensatz zum Großmeister Peckinpah, der alles geschickt hochschaukeln lässt, ist dieser „Straw Dogs“ aber ungeschickter darin die Gewaltspriale drehen zu lassen. So ist eigentlich schon beim ersten Aufeinandertreffen, den ersten Blicken zwischen David Sumner (James Marsden) und Charlie (Alexander Skarsgard) klar, dass die Eskalation nur eine Frage der Zeit ist. Manchmal ist der Film zu offensichtlich in seinen Andeutungen, manchmal gelingen ihm aber auch schöne Details. So knöpft sich Charlie nach erledigter Arbeit das Hemd zu wie nach vollzogenem Koitus, eine Provokation, die tatsächlich die Lage sehr gut widerspiegelt. Charlie und seine Jungs haben zuvor David und seine Frau belästigt.

– Die Wege des Herr’n sind unergründlich.
– Der gefährlichste Satz, der je gesagt wurde.

Nicht immer Blick fürs Wesentliche

Richtig schwach am Remake ist die Beziehung zwischen dem geistig zurückgebliebenen Jeremy Niles und der minderjährigen Janice. Beide Darsteller können nicht überzeugen und allgemein erscheint ihre Liaison unergründlich und wenig ausgearbeitet. Das ist schade, weil die beiden für die Einleitung des Finales essenziell sind. Da passt es, dass Niles am Ende des Films irgendwo ist, aber der Zuschauer darüber keine Kenntnis hat. Im Peckinpah-Film ist er noch Teil des Schlussdialogs. Hier wird das Wesentliche aus den Augen verloren, passend zum dicken Riss in der David-Sumner-Brille.

Gemessen am Original natürlich schwächer, aber kein Schund und noch nichtmal eine Enttäuschung. Ein durchaus unterhaltsamer Film, handwerklich wie schauspielerisch solide Kost, die durchaus die Lesearten des Originals aufgreift und mit ihnen dixie-style jongliert. Aber am Ende muss man sich doch wieder fragen, warum man nicht lieber den Peckinpah gesehen hat.

62%

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