Star Wars: Episode VII — Das Erwachen der Macht

Die Masturbation der Familie Lucas.

Originaltitel: Star Wars 7: The Force Awakens
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2015
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
Produktion: Kathleen Kennedy, J.J. Abrams, Bryan Burk
Kamera: Dan Mindel
Montage: Mary Jo Markey, Maryann Brandon
Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Adam Driver, Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill, Lupita Nyong’o, Andy Serkis u.A.
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 135 Minuten

Über 30 Jahre sind vergangen, seitdem die Rebellen den zweiten Todesstern über Endor zerstört und damit die entscheidende Schlacht gegen die finsteren Mächte des Imperiums gewonnen haben. Doch aus der Asche des Bösen ist die First Order empor gestiegen und hat die Herrschaft wieder an sich gerissen. Während Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) die Zügel im Hintergrund in den Händen hält, schickt er den Lichtschwert schwingenden Kylo Ren (Adam Driver) ins Feld, um die neue Weltordnung auch in den verstecktesten Winkeln der Galaxis zu verbreiten. Darüber hinaus befindet sich der verlängerte Machtarm des Bösen auf der Suche nach Luke Skywalker (Mark Hamill), jenem verschollenen Jedi-Ritter, der lange Zeit als der letzte seiner Art galt. Auch die neue Rebellen-Allianz, die Resistance, setzt alles daran, um den Aufenthaltsort von Darth Vaders Sohn herauszufinden. Dieser Umstand verschlägt den furchtlosen Piloten Poe Dameron (Oscar Isaac) auf den Wüstenplaneten von Jakku, wo er geheime Informationen hinsichtlich des Verbleibs von Luke Skywalker in seinem Astromechdroiden BB-8 versteckt, bevor er von Captain Phasmas (Gwendoline Christie) Regiment in Gefangenschaft genommen wird. An Bord des Kommandoschiffs trifft er auf Finn (John Boyega), seines Zeichens ein Stormtrooper mit der Kennung FN-2187, der versucht, den Fängen der First Order zu entkommen, und in Poe die beste Option dazu sieht. Bei der gemeinsamen Flucht wird Finn jedoch von Poe getrennt und gerät kurze Zeit später mit Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) aneinander, die BB-8 auf Jakku eingesammelt hat. Daraufhin schickt Kylo Ren seine Truppen zurück auf den Wüstenplaneten, um erneut das Feuer zu eröffnen. Mithilfe eines unförmigen Raumschiffs, das einer Schrottmühle gleicht, gelingt es Rey und Finn, dem Bösewicht zu entkommen – im Weltraum lauert jedoch bereits die nächste Gefahr.
Quelle: moviepilot.de

Kritik:

Auf einer Party werde ich darauf angesprochen, dass meine Meinung zum neuen Star-Wars-Film interessant wäre, weil ich kein Fan der ersten Stunde bin und mein Urteil aufgrund fehlender Vorbelastung interessant wäre. Denn „Star Wars 7“ ist der nostalgische Geek-Porn schlechthin und zahlreiche Kritiker und Fachmänner, die mit „Star Wars“ aufwuchsen, waren der ehrlichen Meinung, so richtig neutral könnten sie dem Film gar nicht gegenüberstehen, weil die reine Existenz des Films schon ein Geschenk höchsten kindlichen Glückes für sie ist. Ich, der durchaus die ersten drei Filme des Star-Wars-Universum und mit Abstrichen sogar die 2000er-Prequel-Trilogie mochte, aber in keinem kultischen Verhältnis zu ihnen stehe, kann aber weder das eine noch das andere über „Star Wars 7“ behaupten. J.J. Abrams‘ Aufguss ist weder ein guter Film noch erreicht er den Charme der Kultfilme, er ist vielmehr einer der opportunistischsten Popcorn-Filme der letzten Jahre und steht erheblich mehr noch als der von der Kritik geschasste (aber durchaus durchschnittliche!) „Jurassic World“ für den furchtbaren Status Quo der internationalen Franchise-Maschinerie.

Ökonomisches Kalkül

Die ganze Story-Grundidee hinter „Star Wars 7“ ist schon ein unmutiges Taktieren und nicht mehr: Man wollte irgendwie einen Film mit den alten Kulthelden Luke Skywalker, Prinzessin Leia und Han Solo drehen, wusste aber genau, dass eine Neu-Besetzung von der fundamentalistische Fanbase nie akzeptiert werden würde und einen ganzen abendfüllenden Film mit den Rentner-Darstellern eher einer Komödie gleichen würde. Also hat man Millionen-Gehälter für lächerliche Kurz-Auftritte von Mark Hamill und Carrie Fisher hingeblättert und einen noch größeren Vertrag für Harrison Ford, um ein letztes Mal in die Rolle von Han Solo zu schlüpfen. Han Solo fungiert hier als eine Art Opa, der im narrativen Sinne auf die neuen Figuren wie seine Kinder aufpasst und im übertragenen, produktionstechnischen Sinne darauf Acht gibt, dass die Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) und der schwarze Ex-Stormtrooper Finn (John Boyega) von der Star-Wars-Fanschaft als neue Teile der Familie Lucas akzeptiert werden. Und wie in einem Spielberg-Franchise-Film á la „Jurassic Park“ oder „E.T.“ kann man den Begriff „Familie“ wirklich derart unvorsichtig verwenden. Nicht nur die Zuschauer sind Teil der Familie, sondern auch die Figuren-Konstellationen entsprechen einer solchen. In diesem Fall: Leia = Oma, Han Solo = Opa, Finn = Vater, Rey = Mutter und der neue Roboter BB-8 = Kleinkind.

Wir sind die Neuen!

Der Hype, der um die neuen Figuren teilweise entstanden ist, kann man als (wirklich) neutraler Beobachter aber kaum nachvollziehen. Rey ist eben eine sportliche, smarte Frau und darüber hinaus eigentlich mit keinerlei Charaktereigenschaften ausgestattet. Finn ist das klassische Gegenstück; ein Mann, der mit leichten Macho-Attitüden beginnt, aber dann schnell von der Coolness der Frau aufgeweicht wird und mit ihr eine erotische Symbiose eingeht. Das ist Figuren-Einmaleins der einfachsten Sorte, man hat das schon tausendmal gesehen und der J.J.-Abrams-Film versucht hier auch gar nicht, noch ein kleines Fünkchen mehr Persönlichkeit in die jeweiligen Figuren zu pflanzen. Immerhin muss man der Casting-Abteilung des Films lassen, dass beide Rollen mit No-Names besetzt wurden, die äußerlich gar nicht so sehr dem klassischen Schönheitsideal unserer Zeit entsprechen. Obwohl der Film mit dem neuen Hauptdarsteller-Doppel offensichtlich neue Märkte erschließen will, bleibt sein proklamiertes Gesellschaftsbild immer noch vorwiegend konservativ. Aufmerksame Zuschauer meinen zwar eine homoerotische Note zwischen Finn und dem Widerstandskämpfer Poe ausfindig gemacht zu haben, aber ihre Uneindeutigkeit ist hier bewusst Programm.

Ein neuer Anstrich

Völlig mutlos gestaltet sich dann aber auch die Storyentwicklung des Films. Nachdem die Galaxis im sechsten Teil endgültig vom Imperium gerettet wurde, ist es im siebenten Teil eben ein neues Imperium, das sich First Order nennt. Wie immer bei Star Wars sind die Bösewichte ein bisschen von Nazis inspiriert, was in der Eröffnungssequenz des Films sehr auffällt, wenn man Stormtrooper einen Flammenwerfer bedienen und Zivilisten exekutieren sieht. Der neue Oberbösewicht in „Star Wars 7“ ist aber die sogenannte Figur Snoke (Andy Serkis), der einfach — man muss das so platt ausdrücken — ein riesiger, auf einem Thron sitzender Gollum ist. Kreativ ist das nicht und besonders atmosphärisch auch nicht. Was Darth Vader als die exekutive rechte Hand des immobilen Oberbösewichts des Imperators in den alten Filmen war, ist nun Ben, der Sohn Han Solos oder wie er sich mit seiner First-Order-Maske nennt: Kylo Ren. Gar nicht so uninteressant, dass man diese Rolle mit dem eher schwächlich aussehendem Jüngling Adam Driver besetzt hat. Die Story, an der u.A. der Autor des ersten Star-Wars-Films von 1979 Lawrence Kasdan, der Toy-Story-3-Autor Michael Arndt und J.J. Abrams selbst schrieben, bleibt dennoch erschreckend dünn, was vor allem an der Tatsache liegt, dass „Star Wars 7“ munter Versatzstücke der alten Teile durchvariiert. Vor allem natürlich der vierten Episode, was den Verdacht erhärtet, dass die dritte Trilogie lediglich nach und nach die erste Trilogie remakt. Aber was der Star-Wars-Jünger nicht kennt, das frisst er nicht.

_Fan_tasien

Wieder haben wir einen Vater-Sohn-Konflikt, der den Parteienkonflikt in der Galaxis auf eine persönliche Ebene verlagert, wieder müssen junge, unerfahrene Helden über sich hinauswachsen und am Ende das Böse zu zerstören. Und das genau wie früher, denn wieder muss ein Todestern auf (haargenau dieselbe Weise) zerstört werden, abgesehen davon, dass dieser größer ist als der frühere. Das trifft auch auf den Film zu. Er will in allem, was er tut, wie eine größere, aber dabei sonst vollkommen baugleiche Version der Kultfilme rüberkommen und entwickelt dabei genau gar nichts Neues. Vielmehr wird dadurch sogar die Dramaturgie extrem wichtiger Ruhephasen und vernünftiger Expositionen beraubt, um möglichst viel Radau auf der Leinwand zeigen zu können. Es ist ein frustrierend peinlicher Versuch, es einem Fan-Kollektiv rechtzumachen. An „Star Wars 7“ zeigt sich in exemplarischer Weise die Seuche des Franchises, die versucht Kunst zu demokratisieren. Die ersten drei Teile des Star-Wars-Universum hatten noch etwas von einem Autoren-Film-Zyklus. George Lucas hatte eine Vision und die hat er umgesetzt. Auch wenn er sich für diese Vision auch vieler Vorbilder aus der Real-Geschichte und Popkultur bedient hat, gebührte ihm für diese ins Detail ausstaffierte Leistung Respekt.
„Star Wars 7“ macht hingegen lediglich zwei Dinge: Erstens erzählt der Film quasi den Durchschnitt aller Fan-Fictions und Fantasien, die sich das zahlende Publikum eben so wünscht und erzählt damit letzten Endes nur die leere Hülle einer Geschichte. Zweitens horcht der Film in die Demografie seines Publikums hinein und übernimmt Teile aus dem aktuellen Gesellschaftsdiskurs nachträglich in das Lucas-Universum. Frauen und Schwarze dürfen jetzt Lichtschwerter bedienen. Logisch, denn beide sind ja auch längst Teil des Publikums von Star Wars. Des Weiteren geht es bei Rey und Finn auch noch darum, das Märchen des Durchschnittsmenschen, der zum Held emporsteigt, nur weil er das Herz am rechten Fleck hat, noch weiter zu übertreiben und damit eine publikumswirksame Funktion weiter auszubauen: „Wir alle können Helden im Star-Wars-Universum sein“ tönt es aus jeder Szene.

Masturbationskultur

PS: Liebe Geek-Kultur, du masturbierst dich zu Tode. Lass mich dir das erklären. Deine Befriedigung gewinnst du nur noch durch das Bedienen derselben Elemente, die eh schon längst etablierter Teil in dir selbst sind. Weißt du überhaupt noch, was Sex ist? Genau, es ist die Übereinkunft mit dem Anderen, das spannend und erotisch ist, aufgrund seiner Andersheit. (Purer) Sex wäre „Star Wars 7“ gewesen, wenn er den Schritt gewagt hätte, etwas Neues zu machen und es dem Publikum auszusetzen. Dazu zählt das Risiko des Scheiterns. Das Risiko des Abgelehntwerdens. Aber nur so kann eine Fankultur produktiv und wertvoll sein, wenn durch etwas Mutiges neue Reibungsflächen entstehen. „Mad Max — Fury Road“ hat gezeigt, wie man einen Franchise ästhetisch wie inhaltlich grundsaniert. Alibi-Neuerungen wie Frauen und Schwarze sind das nicht, sondern lediglich masturbative Momente. Man könnte „Star Wars“ nun seinen baldigen Untergang prophezeien, aber das wirklich Traurige ist, dass das Kollektiv-Erlebnis „Star Wars“ seinen eigenen Untergang gar nicht bemerken wird, da er Masturbation zum neuen Sex erklärt hat. Ist doch alles gut, solang es so wie gewohnt ist? Nein, kollektives Onanieren ist noch lange kein Sex.

3/10

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