Soylent Green

Im Ethikdiskurs: Die Stimme eines wütenden Halbwissenden.

Originaltitel: Soylent Green
Alternativtitel: … Jahr 2022 … die überleben wollen
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 1973
Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Stanley R. Greenberg
Produktion: Walter Seltzer, Russell Thacher
Kamera: Richard H. Kline
Montage: Samuel E. Beetley
Musik: Fred Myrow(auch Edvard Grieg, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Ludwig van Beethoven)
Darsteller: Charles Heston, Edward G. Robinson, Leigh Taylor-Young, Chuck Connors, Joseph Cotten, Brock Peters, Paula Kelly, Whit Bissell
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 97 Minuten

(…) New York des Jahres 2022. Die Stadt hat 40 Millionen Einwohner, die meisten sind ohne Arbeit. Ihre Nahrung besteht aus diversen synthetischen Substanzen, von denen keiner weiß, was es ist. Natürliche Nahrung von den Bauernhöfen des Umlandes können sich nur noch die Eliten der Gesellschaft leisten. Eines Tages erfährt der Polizist Thorn (Charlton Heston) zufällig die Wahrheit über den Nahrungsmittelproduzenten Soylent Company und deren populärstes Nahrungspräparat Soylent Green.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Dystopien gehören zur klassischsten Pressform von Science-Fiction-Filmen. So richtig zutrauen, tut man es der Menschheit nicht, seine eigenen Probleme und die des Erdballes rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Wer mit seinem popkulturellen Allgemeinwissen nicht zu sehr auf den Kopf gefallen ist, weiß eigentlich genau wie der Satz „Soylent green is“ endet. Der Film wird als Kultfilm angesehen, die grünen Plättchen im Film schafften es sogar zum essbaren Merchandise in die Läden und auch die frühen Ärzte um Bela B. benannten sich nach dem Film. Wer dennoch keine Ahnung hat, wovon der Film handelt, sollte den nächsten, nicht ganz spoilerfreien Absatz meiden.

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Soylent Green als wütender Halbwissender

Überbevölkerung, verödete Welt, kapitalistischer Nahrungskonzern als Weltmacht, das dem Staat Bedingungen zu diktieren scheint. Fleischers Werk lädt sich eine Vielzahl an dystopischen Verweisen auf den Teller, am Ende wird aber alles auf die skandalöse Enthüllung des Kannibalismus heruntergebrochen. Abgesehen davon, dass seine Welt nie eine Glaubwürdigkeit erreicht, nie logisch dargestellt werden kann, warum sich die riesige Bevölkerung nicht gegen die kleine Oberschicht auflehnen kann, ist die Kannibalismusenthüllung auch letztlich unbefriedigend, weil hier nicht profund ausdiskutiert wird. Steckt hinter all dem Skandal nicht auch ein Hauch von Legitimität eine aussterbende Menschheit mit dem Fleisch legal und freiwillig euthanasierter Menschen zu füttern? So makaber es klingen mag, vielleicht wird man sich diese Frage irgendwann in ferner Zukunft stellen müssen und „Soylent Green“ wird dann lediglich die Stimme eines wütenden Halbwissenden dazu beitragen.

Trash-Thrill

Um eine breitgefächerte Diskussion um Ernährungsethik oder Ökologie ist „Soylent Green“ nie interessiert und kokettiert eher damit, zu einem allzuklassischen Crime-Thriller zu verkommen. Aber auch hier: Ein Scheitern. Kann man von einem Hollywood-Thriller der 70er nicht so etwas wie einen gelungenen Spannungsaufbau, ja wenigstens den Hauch von genereller Spannung erwarten? Fehlanzeige. Man vermisst sogar obligatorische Thriller-Musik, die es in „Soylent Green“ nicht zu geben scheint. Hinzu kommen fast schon trashfilmartig anmutende Actionszenen und kaum Kreativität in dem Entwurf einer Zukunftsvision. Müllabfuhrwagen und eine Art Müllrecyclingsfabrik als Ursprung des Soylent Greens sind natürlich herrlich zynisch, aber wirken auch genauso billig, fast amateurfilmartig. Wie problemlos Detective Thorn in die Quelle des Skandals einbricht, wirkt eher lächerlich und der Entwicklung von Thrill entgegen.

Ein Running-Gag und die schöne Natur

Die Figur des nicht-nachlassenden Detectives, die sich hier Protagonist nennen darf, ist auch aus dem nächstbesten Giftnachtschränkchen Hollywoods entnommen, zusammen diskutiert er stets mit seinem Mitbewohner Sol über eine frühere bessere Welt und genießt zusammengesuchtes Essen aus der Vergangenheit. Ein Running Gag, der die spannungslose Verschwörungsstory zumindest hier und da auflockern kann. Die Euthanasie-Szene, in der zu „leichter“ Klassik Bilder der schönen Natur der Vergangenheit gezeigt wird, ist die einzige Stärke des Films, schlägt gut den Bogen zum Ende und ist ein Mini-Hauch von Filmgeschichte. Wie man aber eine Verschwörungs-Thriller-Geschichte derart gelangweilt inszenieren kann wie es „Soylent Green“ tut, dürfte eine Frage sein, die man sich auch schon 1973 gefragt haben dürfte.
„Soylent Green“ ist ein Science-Fiction-Machwerk, das schon deutlich vor 2022 zum Alteisen gehört und in grüne Plätzchenform gestanzt gehört. Selbst 1973 dürften vor allem inhaltliche Unzulänglichkeiten und Atmosphärelosigkeit aufgefallen sein. Ein paar kultige Momente und die liebenswerte Naivität dieses Films retten ein paar letzte Punkte.

3/10

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