Schrei, wenn du kannst – Les Cousins

Eine Novelle über die, die Glück haben und die, denen es fehlt.

Originaltitel: Les Cousins
Produktionsland: Frankreich
Veröffentlichungsjahr: 1959
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol, Paul Gégauff
Produktion: Claude Chabrol
Kamera: Henri Decaë
Montage: Jacques Gaillard
Musik: Paul Misraki
Darsteller: Gérard Blain, Jean-Claude Brialy, Juliette Mayniel, Guy Decomble, Geneviève Cluny, Stéphane Audrane u.A.
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 108 Minuten

Charles ist ein ziemlich naiver Junge vom Lande, der in Paris Jura studieren will. Er kommt bei seinem Cousin Paul unter, einem recht dekadenten Jungen, immer auf der Suche nach Vergnügen. Dann verliebt sich Charles in Florence, doch die betrügt ihn mit Paul. Auch beim Examen ist Paul erfolgreich, während Charles trotz guter Vorbereitung durchfällt. Die Situation eskaliert…
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Wieder so ein Fall, besonders unglücklicher deutscher Verleihtitel. Aus „Les Cousins“ wurde nicht „Die Cousins“ oder „Die Vetter“, nein, es musste „Schrei, wenn du kannst“ werden. Ein Titel, der nach einem schlechten Horrorfilm klingt (und tatsächlich gibt es einen schlechten Horrorfilm, der ebenso heißt). Absurd ist das dazu noch, da im Film eigentlich gar nicht so richtig geschrien wird. Es scheint fast so, als sei das Verleihmaster-Baby im Brutkasten der deutschen Version mit einem anderen Film vertauscht worden.

Stadt, Land, Fluss

Dabei ist der Film ein Nouvelle-Vague-Film, wie man ihn kennt und schätzt. Lieb, frech, voller schöner Dialoge und lebendiger Figuren — typisch französisch eben. Zwei Cousins leben zwecks gemeinsamen Jurastudium zusammen im großen Paris. Der Ur-Pariser Paul ist ein angeberischer, lebensbejahender Draufgänger, während Charles so ziemlich das Gegenteil ist: Ein prinzipientreues, vorsichtiges Landei, das Fleiß und Vorsicht als oberste Maximen hat.

Eine Novelle über die, die Glück haben und die, denen es fehlt. Paul ist Stadt, Charles ist Land und die schöne Florence, der Fluss, der beide verbindet, von denen beide auf ihre Weise schöpfen wollen. Schnell kann sie Paul für sich gewinnen, während Charles glaubt, sie würde sich schließlich für ihn entscheiden, wenn er doch hart genug arbeite und geduldig genug sei. Doch kehrt Chabrol niemals davon ab, zu zeigen, dass es eben traurige Pechvögel und Menschen, denen alles zu zu fallen scheint, gibt. Das ist die Moral von der Geschicht. Peng.

Das Leben selbst

Florence steht letztlich für das Leben selbst und ist die menschgewordene Aufforderung, dass sich der Moment zu leben lohnt und ein Aufschieben und Hinarbeiten nicht die oberste aller Maximen sein kann. Denn morgen kann schon alles vorbei sein.

Die provozierte Stadt-Land-Konstellation kann man aufgesetzt, das Ende zu dramatisch und die Erzählweise erst langsam in Gang kommend finden. Wer die Nouvelle Vague schätzt, wird mit „Schrei, wenn du kannst“ nichtsdestotrotz nicht das falsche Baby erwischen.

7/10

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