Project X

Gefährliches Kultpotenzial.

Originaltitel: Project X
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2012
Regie: Nima Nourizadeh
Drehbuch: Matt Drake, Michael Bacall
Produktion: Todd Phillips
Kamera: Ken Seng
Montage: Jeff Groth
Darsteller: Thomas Mann, Oliver Cooper, Jonathan Daniel Brown, Dax Flame u.A.
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 88 Minuten

Project X – dahinter verbirgt sich trotz des geheimnisvollen Namens keine Mission zur Vernichtung der X-Men. Und doch werden im Laufe von Project X zerstörerische Kräfte freigesetzt, die man sich nicht vorstellen kann. Zumindest ist das nicht der Plan der drei Highschool-Kumpels Thomas (Thomas Mann), J.B. (Jonathan Daniel Brown) und Costa (Oliver Cooper), als sie die Abwesenheit eines Elternpaares nutzen wollen, um die ultimative Sturmfrei-Party zu feiern. Dabei ist “ultimativ” ruhig wörtlich zu nehmen. Die Vorbereitungen werden getroffen, Einladungen “selektiv” ausgesprochen und der große Tag naht. Um auch noch späteren Generationen von ihrer Party berichten zu können, wollen sie alles mit ihrer Digi-Cam aufnehmen. Als es dann aber so weit ist, artet die Fete unter zunehmendem Alkoholkonsum sehr schnell aus. Die Kamera zeichnet derweil das Zeugnis der Zerstörung gnadenlos auf…
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Jede Generation hat ihre eigene(n) Kultkomödie(n), die ihren Zeitkolorit perfekt einfangen und daher auch für nachfolgende Generationen als Zeugnis dienen — ob man später noch drüber lachen wird, ist eine andere Frage. Das oberhypte „Hangover“-Franchise oder Judd Appatows geniale Teenie-Komödie „Superbad erheben zumindest den Anspruch als Kultkomödie der „Generation Facebook/Youtube/Internet“ definiert zu werden, ohne aber wirklich den Kern unserer Generationsgeistes zu treffen – „Project X“ hat da im Grunde einen viel treffenderen Ansatz. Die Geschichte die erzählt wird, beschränkt sich auf drei Loser-Freunde, die eine Party schmeißen, die grenzenlos aus dem Ruder gerät. Eingefangen in einem ausgereiften Youtube-Foundfootage-Style, der den Zuschauer zum unweigerlichen Teilhaber dieser Party werden lässt. Eine pseudo-dokumentarische Komödie mit (gefährlichem) Kultpotenzial.

Mittendrin-Gefühl für fast alle

Eins vorweg: Wer kein Teil der angesprochenen Generation ist (oder sich nicht als solcher Teil fühlt), wird „Project X“ nur von einer sehr distanzierten Position erfahren können, die ein Mittendrin-Erlebnis im Ansatz verhindert. Genau das ist es aber, was die Faszination des Filmes ausmacht. Das Protagonistentrio, bestehend aus dem Nerd JB, dem Draufgänger Costa und dem etwas spießigen Partygastgeber Thomas Kub liefert im Sekundentakt halb-improvisierte Kraftausdruckschlachten um juvenile Sexfantasien und dem Wunsch einmal in der High School-Zeit der Coolste zu sein. Der Humor ist derbe, man findet in den Figuren eigene Freunde und Schulkameraden wieder, was „Project X“ durch Einsatz von tendenziell jedoch keineswegs übertrieben stereotypischen High School-Figuren erreicht. Dazu nutzte das Casting-Team, ganz im Stile unserer Zeit, das Internet um möglichst unbekannte Gesichter zu casten. Unter anderem dadurch wird ein beeindruckender „Das ist wirklich passiert!“-Effekt generiert, auch wenn der Film tatsächlich auf vorgefertigten Sets gedreht wurde.

Immer mehr

Der Film bietet eine direkte Abfolge von Ereignissen, die die Party immer weiter ins absolute Chaos reitet – unterbrochen von losgelösten wunderschönen Partysequenzen – ganz wie ein durchtrunkener Abend eben. Zelebrierend untermalt wird das Gezeigte von nicht besonders kreativ gewählter, aber stimmiger Clubmusic zwischen Eminem, LCD Soundsystem und anderem Electro-Einheitsbrei unserer Zeit. Ohne viel verraten zu wollen, aber „Project X“ schafft es innerhalb der 88 Minuten immer wieder eine Schippe drauf zu legen und unsere Vorstellungen einer gigantischen Party nochmal ein wenig auszuweiten. Langweilig ist Nima Nourizadehs (Irgendwie scheint es als sei ein Job als Musikvideo-Director mehr und mehr eine gute Einstiegsposition in das Spielfilmbusiness) Film zu keinem Zeitpunkt.

Mundpropangda-Objekte

Bei all den kleinen Mundpropaganda-Elementchen, die „Project X“ zum potenziellen Kultfilm werden lässt (Stinkefinger-Gartenzwerg, Partyhund, Costa – The Boss, Bierbongbaum etc etc etc.), ist der Film vor allem eines: Gefährlich. Denn, dass ein Ausufern solcher Neighbourhoodpartys aus rationaler Sicht eigentlich asozial und zu vermeiden sind, lehrt uns „Project X“ nicht. Es findet nichtmal ein Rise & Fall des Partygebers Thomas Kub statt, der nachdem er für sein Verhalten parental gemaßregelt wird von der Schule noch heroisch gefeiert wird.

Trittbrettfahrerpotenzial hoch Zehn

Es ist natürlich Unsinn dieser gewollt auf die Kacke hauenden Generationskomödie ihre Intention als qualitativen Vorwurf zu machen, aber „Project X“ bietet einen bedenkliches Trittbrettfahrerpotenzial, was sich laut Wikipedia auch bereits bestätigte.
So hat es vielleicht auch mit konservativ-motivierter Veröffentlichungsstrategie zu tun, dass ein qualitativ deutlich stärkerer „Project X“ nicht so beworben wird wie ein „Hangover“, welcher vom selben Produzententeam ist. Denn ein paar Betrunkene in Las Vegas sind für die nationale Sicherheit und Wirtschaft wohl noch deutlich erträglicher als ständige Partys, die in millionenschwerem Chaos enden. Was aus filmischer Sicht hingegen viel gefährlicher ist: Das Ende des Films deutet ein Sequel an, das diese Generationskomödie zum hirnlosen Franchise verkommen lassen könnte.

75%

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