Prisoners

Villeneuves US-Debüt: Zwischen Fincher und „7 Days“.

Originaltitel: Prisoners
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2013
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Aaron Guzikowski
Produktion: Kira Davis, Broderick Johnson, Adam Kolbrenner, Andrew A. Kosove
Kamera: Roger Deakins
Montage: Joel Cox, Gary D. Roach
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal, Paul Dano, Viola Davis, Maria Bello, Terrence Howard, Melissa Leo, Dylan Minnette
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 159 Minuten

Im Drehbuch von Aaron Guzikowski geht es um den Kleinstadt-Schreiner Keller (Hugh Jackman), dessen Tochter samt ihrer besten Freundin entführt wird. Mit den Ermittlungen wird Detektive Loki (Jake Gyllenhaal) beauftragt. Die beiden Persönlichkeiten geraten schon sehr früh aneinander. Während für Keller die Nachforschungen nicht schnell genug angestellt werden können, ist Loki von dem ungeduldigen Vater gar nicht begeistert. Als die Polizei einen geistig zurückgebliebenen Verdächtigen (Paul Dano) wieder entlassen muss, nimmt Keller das Gesetz selbst in die Hand und entführt den Mann, den er für den Täter hält.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

„Prisoners“ gilt für viele als neuer Edel-Thriller, in einem Atemzug mit David Finchers Werken zu nennen, die der Film ja recht vehement zitiert. Mit Denis Villeneuve ein Newcomer auf dem Regiestuhl, der mit dem famosen „Die Frau, die singt“ für Furore sorgte und einem ganz heiß gehandeltem Drehbuch. Tatsächlich ist „Prisoners“ ein äußerst ambitionierter Thriller geworden, der große Momente, aber auch mindestens genauso viele Fettnäpfchen anzubieten hat.

Teillegitimation von Selbstjustiz

Was Villeneuve hier auffährt, fühlt sich wie eine Mischung aus den guten Fincher-Filmen „Zodiac“ und „Sieben“, aber auch dem sehr schlechten ebenso von einem kanadischen Regisseur stammenden Film „7 Days“ an. Auch darin geht es um Kindesentführung und Selbstjustiz. Abgesehen davon, dass „Prisoners“ die Geschichte auf deutlich mehr Figurenschultern verteilt, könnten die ersten Minuten des Films wirklich 1-zu-1 von „7 Days“ geklaut sein. Aber die Kindesentführungsgeschichte ist in der Paranoia der modernen Gesellschaft ja auch ein populärer Griff. Das öffentliche Interesse lässt sich immer für kleine Kinder in schwerster Not sensibilisieren, da ist es vielleicht legitim, dass das Thema auch eine seriöse Abhandlung nach dem missratenen „7 Days“ bekommt — auch wenn es wieder ein Thriller ist. Man muss Villeneuves Film zu Gute halten, dass er um Weiten reflektierter an dieses sensible Sujet herangeht. Das Selbstjustiz-Vorgehen wird hier immerhin mit einigen kritischen Gegenstimmen konfrontiert. Aber ein Hauch von Legitimation von Selbstjustiz kann man auch hier herauskosten, wenn die Mutter der entführten kleinen Anna am Ende des Films ihren Vater verteidigt: „He did what he had to do to find Anna and I thank God for that. He’s a good man.

Ein Haudrauf-Kerl

Man kann sich wieder herrlich darüber streiten, wie moralisch Kino sein muss, aber Hugh Jackmans Charakter namens Keller (er heißt wirklich so) ist eine zumindest fragwürdige Figur. Ein raubeiniger, aus Affekt handelnder Haudrauf-Kerl, der im Keller ein ganzes Waffenarsenal parat hat, weil er auf das Äußerste vorbereitet sein will. Für so eine Figur Sympathie zu entwickeln, fällt vielleicht Leuten leichter, die sich bei „Prisoners“ auf Action und Thrill freuen und dem Bösen (was es auch immer sein mag) so richtig auf die Fresse geben wollen. Aber im Kontext einer seriösen Behandlung des Themas ist die Figur doch eher Gift und gleichzeitig erscheint es unrealistisch, dass ausgerechnet dieser unüberlegt-herzgesteuerte Mensch am Ende die entscheidende Kopfarbeit der Polizei im Rambo-Alleingang mit übernimmt.

Krieg gegen Gott

„Prisoners“ merkt man natürlich an, dass es keine absolute Billo-Unterhaltung ist und hier fähige Autoren am Werke waren. Manche Dialoge sind wirklich großartig geschrieben und die Story lädt zur Partizipation ein. Das kann man vom Thrillerstandard nicht behaupten. Wieso „Prisoners“ trotzdem nicht so zünden will, wie er könnte, liegt an vielen kleinen dramatischen Unstimmigkeiten, die sich am Ende zu einer Unbefriedigung summieren. Die Figur eines alkoholkranken Pfarrers etwa, der im Keller eine Leiche aufbewahrt, wird einzig für ein kleines Puzzleteil des Story-Rätsels angerissen und genauso schnell wieder fallen gelassen. Es bedarf vieler Nebenschauplätze und Figuren, um das Drehbuchkonstrukt zusammenzuhalten, nicht zuletzt daher rührt die großzügige Spielzeit von zweieinhalb Stunden. Ein weiteres zumindest arg fragwürdiges Element des Films ist seine Religiosität. Irgendwie scheinen die Menschen im Film zu ihrem Glück zu kommen, die am aufdringlisten und öftesten zu Gott beten (wie etwa der Ultra-Christ Keller) und der Antagonismus des Films erklärt sein Motiv als „Krieg gegen Gott“. Böse, böse.

Fazit

Es scheint als wäre es nicht unüblich für Villeneuve, dass seine Qualitäten oft auch Geschmacksfragen sind. „Prisoners“ hat aber durchaus seine Momente und dürfte sein Publikum finden. In meinen Augen ist er aber kein heißer All-Time-Favorite, sondern eine Erfahrung mit höchst gemischten Gefühlen.

5/10

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