Perserkatzen kennt doch keiner

Ein Künstlermilieu in Kellern und Bauernhöfen.

Originaltitel: Kasi az Gorbehaye Irani Khabar Nadareh
Alternativtitel: No One Knows About Persian Catshttp://meinungsimperialismus.de/perserkatzen-kennt-doch-keiner/
Produktionsland: Iran
Veröffentlichungsjahr: 2009
Regie: Bahman Ghobadi
Drehbuch: Bahman Ghobadi, Hossein Mortezaeiyan, Roxana Saberi
Darsteller: Negar Shaghaghi, Ashgan Koshanejad, Hamed Behdad
Altersfreigabe: /
Laufzeit: 106 Minuten

Der Film handelt von den beiden jungen Musikern Ashkan und Negar, die nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis versuchen, eine Band zu gründen, um mit dieser den Iran zu verlassen. Das Paar befreundet sich mit einem Mann namens Nader, einem Untergrund-Musikbegeisterten und Produzenten, der ihnen hilft, durch Teheran und Umgebung zu reisen, um potentielle Mitglieder für ihre Band zu treffen. Der Film zeigt viele rechtliche und kulturelle Probleme von Independent-Musikern und generell der Jugend im konservativen Iran.
Im Film gibt es unter anderem Musik aus den Genres Rap, Jazz, Electric Blues und Heavy Metal. Die in dem Film auftretende Band Take It Easy Hospital lebt heute in London und hat vier Lieder zu dem Film beigetragen.
Quelle: Wikipedia.org

Kritik:

Das iranische Kino ist eines der zur Zeit angesagtesten im weltweiten Arthousefilm. Wettbewerbserfolge für Asghar Farhadi, Jafar Panahi oder Majid Majidi dokumentieren den Siegeszug aus Filmisch-Persien. „Perserkatzen Kennt Doch Keiner“ von Bahman Ghobadi fügt sich da nahtlos mit dem Gewinnen des großen Jurypreises in Cannes 2009 ein. In nur 17 Tagen drehte der Regisseur eine musikalische Reise durch Teheran.

Für so eine Genehmigung müssen wir fröhlicher klingen.

Zwischen Dokumentation und Amateurspielfilm

Das zeitgenössische iranische Kino bezieht seine Reize aus der Tatsache, dass sich das Filmschaffen allein ständig mit penibelsten gesellschaftlichen Normen beißt, obwohl diese lächerlich erscheinen, angesichts des sehr westlich-modernen Bürgertums Teherans. In „Perserkatzen Kennt Doch Keiner“ ist diese Diskrepanz am Beispiel der Musikszene aufgezeigt, die nahezu ausschließlich im Untergrund agieren muss. Mit Handkamera und halbimprovisierten Dialogszenen hat dieser Film einen visuellen Stil zwischen Dokumentar- und Amateurspielfilm. Das kann man reizvoll oder anstrengend finden.

Ein bestimmtes Muster

Die Kamera folgt dem Musikerpaar Ashgan und Negar der Band „Take It Easy Hospital“ (der Bandname stellt zudem eine Vorausdeutung dar) durch die Suche nach Bandmitgliedern und Ausreisemöglichkeiten durch die Haupstadt. Hier macht es sich der Film ziemlich einfach. Die meiste Zeit über wird ein iranischer Musiker nach dem anderen vorgestellt, als loses Kettenstück dieser Bandmembersuche. Das ist wenig dezent und verläuft in einem bestimmten Muster: Die beiden treffen die Musiker, reden mit ihnen, dann spielen die Musiker jeweils einen Song und dazu werden Bilder aus Teheran gezeigt. Interessant ist das allemal, aber erzählerisch eben nur halb so gut gemacht wie etwa Fatih Akins „Crossing The Bridge“.

Ein schwaches fiktionales Ende

Stark ist der Film immer dann, wenn er einfache Gegebenheiten dieser interessanten, da als Ausländer kaum zugänglichen iranischen Musikszene abbildet. Etwa, wenn eine Metal-Rapcore-Band in einem Kuhstall inklusive Kühe auftritt oder eine auswanderungswillige Frau konstatiert, sie fände Indie-Rock ganz toll und dann 50 Cent und Madonna aufzählt. Leider hätte man sich für das tragische Ende, das der Film bereithält doch mehr Zeit als 17 Tage nehmen sollen oder es komplett rauslassen sollen. Ohne Spielfilmeffekt hätte dieser Film möglicherweise besser funktioniert; das Ende wirkt eher aufgesetzt und unbefriedigend. Das Fazit, der Iran sei noch nicht bereit für eine solche Kulturtoleranz, hätte man auch weniger holzhammerlike anbieten können.

Ghobadis Film ist eine solide Reise in ein interessantes Künstlermilieu irgendwo in Kellern und Bauernhöfen in und um Teheran. Eine Welt, die wir ohne die Courage iranischer Filmemacher nie kennengelernt hätten. Nichtsdestotrotz tut sich der Film als halbdokumentarischer, halbimprovisierter Musikfilm etwas schwer. Nicht perfekt, aber empfehlenswert.

6/10

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