Mister Lonely

Spontaneität beim Schaffensprozess: Korine auf den Spuren Werner Herzogs.

Originaltitel: Mister Lonely
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2007
Regie: Harmony Korine
Drehbuch: Harmony Korine
Produktion: Harmony Korine, Nadja Romain, Adam Bohling
Kamera: Marcel Zyskind
Montage: Valdís Óskarsdóttir, Paul Zucker
Musik: Jason „Spaceman“ Pierce, Sun City Girls
Darsteller: Diego Luna, Samantha Morton, Denis Lavant, Werner Herzog, James Fox, Anita Pallenberg
Altersfreigabe: FSK /
Laufzeit: 113 Minuten

Ein junger Mann, der in Paris als Michael-Jackson-Imitator arbeitet, trifft auf eine Frau, die der Schauspielerin Marilyn Monroe zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie bittet ihn, daß er sie nach Schottland begleitet, wo sie zusammen mit anderen Doppelgängern prominenter Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin, Abraham Lincoln, Sammy Davis, Jr., James Dean, Madonna oder Shirley Temple in einer abgelegenen Kommune lebt.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Werner Herzog und Harmony Korine sind gute Freunde. Das passt. Herzog, der auch in „Mister Lonely“ eine Nebenrolle bekleidet, ist bekannt für seine schier unglaublichen Abenteuer, die er bei der Produktion seiner Filme erlebte. Zahlreiche Anekdoten ranken um seine Filme, die einen vielleicht mehr dazu bringen, vom Regisseursberuf zu träumen als seine Filme. Ein bisschen ist es auch so bei Korine, dessen Filme man immer wieder ansieht, dass Spontaneität, Spaß und womöglich ein paar psychoaktive Substanzen mehr Anteil am Schaffensprozess hatten als ein jahrelanges Arbeiten am Drehbuch.

Über die Einsamkeit

„Mister Lonely“ erzählt die Geschichte von Freaks, die große Berühmtheiten der Geschichte wie Marilyn Monroe, Abraham Lincoln oder Charlie Chaplin imitieren und als Teil einer Kommune zusammen in einem schottischen Schloss wohnen. Erzählt wird das Ganze aus der Sicht eines Michael-Jackson-Imitators. Viel Handlung traut Korine seiner Freakshow nicht zu und so wirkt vieles improvisiert, was dem Film leider einige Längen verleiht.

Letztlich natürlich ein Film über Einsamkeit, ein Film darüber, das sein zu wollen, was man nicht ist und niemals sein wird. Die Obsession die Identität ihrer Vorbilder anzunehmen, macht die Figuren letztlich morbide. Die einen bringen sich um, andere werden zu gestörten Misanthropen, der Protagonist kann nicht die Befriedigung daraus ziehen, die er sich wünscht. Die Vorstellung bleibt leer, Mr. Lonely ist wiedermals einsam. Ein Film über falsche Träume, die bitter bestraft werden.

Dabei sein wäre alles

Auch wenn der Werner-Herzog-Erzählstrang in die Intention des Films passt, hängt er narrativ doch im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft. Da „Mr. Lonely“ im Gegensatz zu anderen Filmen durchaus an einer stringenten Erzählweise interessiert ist, kann man ihm auch den Vorwurf machen, dass ihm darin nicht alles gelingt und er trotz haufenweise Skurrilitäten streckenweise sehr langatmig daherkommt.

Nicht ohne Schwächen und nicht ohne Längen ist Korines dritte Regiearbeit. Wiedermal im Korine-Schaffen so ein Film, bei dem der Wunsch, beim Dreh dabei gewesen zu sein, größer als das bloße Sehvergnügen ist.

53%

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