Kramer gegen Kramer

Dustin Hoffman erlebt eine weibliche Odyssee.

Originaltitel: Kramer Vs. Kramer
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 1979
Regie: Robert Benton
Drehbuch: Robert Benton, Avery Corman
Produktion: Stanley R. Jaffe
Kamera: Néstor Almendros
Montage: Gerald B. Greenberg
Darsteller: Dustin Hoffman, Meryl Streep, Jane Alexander, Justin Henry, JoBeth Williams, Howard Duff, Ellen Parker
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: 100 Minuten

Ted Kramer (Dustin Hoffman) ist durch und durch ein Karrieretyp, für den seine Arbeit wichtiger ist als seine Familie. Seine Frau Joanna (Meryl Streep) hat davon die Nase voll und verläßt ihn. Nun muß Ted den Haushalt werfen und sich auch um den gemeinsamen Sohn Billy kümmern. Als sich der frisch gebackene Hausmann mit seinen neuen Aufgaben angefreundet hat, taucht Joanna wieder auf und will das Sorgerecht für Billy, doch Ted will ihn jetzt nicht mehr aufgeben…
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

„Kramer Vs. Kramer“ ging als der Film in die Geschichte ein, der Francis Ford-Coppolas Palme-d’Or-winning-opus-magnum „Apocalypse Now“ bei den Oscar-Verleihungen 1980 vernichtend schlug, in dem es den Vietnamkriegsfilm sowohl in der Beste-Picture-Sparte als auch in beiden Darsteller-Oscars, dem adaptierten Drehbuch, sowie der besten Regie ärgerte. Man könnte jetzt vermuten, dass das einem gewissenen Balance-Selbstverständnis der Akademie geschuldet ist, die es nicht hätte verantworten wollen, nach Michael Ciminos „Die Durch Die Hölle Gehen“ den nächsten umstrittenen Vietnamkriegsfilm auszuzeichnen. Aber das ist höchst spekulativ. Fest steht: „Kramer Vs. Kramer“ hat seinen hohen Bekanntheitsgrad wohl nur durch die goldenen Oscar-Statuetten erreicht, mit denen er sich rühmen kann.

Unveränderte Aktualität

Die Geschichte ist nicht mehr brisant wie anno 1979, aber nach wie vor aktuell. Und das wird sie die nächsten Jahrzehnte wohl auch noch bleiben. „Kramer Vs. Kramer“ erzählt die Geschichte einer Scheidung, in der das gemeinsame Kind zum Spielball in der juristischen Schlacht wird. Dabei wird ein relativ breitgefächerter Diskurs über die Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Status in solch einem Falle abgehalten. So viel sei verraten: Am Ende ist auch die Liebe ein nicht unerheblicher Teil, der über das Schicksal des Kindes mitentscheiden darf. Scheidungen sind sicher eine Krankheit bzw. ein notwendiges Übel der modernen Gesellschaft. Die emanzipierte Frau will Karriere machen, der Mann tut sich damit schwer, seine Rolle als privilegierter Familienernährer aufzugeben und am Ende leidet das Kind unter dieser Spannung. Doch zeigt der Film auch die positiven Seiten: Fürsorgliche Liebe, eine Eltern-Kind-Beziehung fast auf Augenhöhe, Verständnis, Zuneigung und kommunikative, statt züchtigender Erziehung.

Joanna hat immer gesagt, dass einer Frau das Recht zusteht, die gleichen Chancen im Leben zu haben wie ein Mann (…) Mit dem gleichen Recht würde ich jedoch gern wissen, in welchem Gesetz steht, dass eine Frau der bessere Elternteil ist, nur weil sie eine Frau ist.

Umgedrehte Rollenverteilung

In Robert Bentons Film wird die Rollenverteilung umgekehrt. Das ist simpel aber vergnügsam. Dustin Hoffman als Familienvater, der zwischen Karriere und Sohnemann versucht den Alltag zu meistern, gehört zu seinen besten Rollen und entspricht daher vielleicht dem einzigen wirklich verdienten der fünf Kramer-Oscars. Durch die Umkehrung der Rollen erkennt man die schwierigere Position der Frau im Karriereleben. Das Selbstverständnis, dass die Frau in der Kindererziehung den größeren Teil auf sich nimmt, dürfte uns wohl leider noch überleben. „Kramer Vs. Kramer“ zeigt, dass ein großer Karrierealleingang + Kindererziehung eine schier unmögliche Doppelbelastung ist. Hier wird der Frau Respekt gezollt, ohne dass wirklich eine anwesend ist. Vielleicht durchlebt Hoffman hier eine gar typisch weiblichere Odyssee als drei Jahre später in „Tootsie“.

Tiefgang zu einseitig verteilt

Der Figur der Joanna (Meryl Streep) hätte aber mehr Tiefgang gut getan. Man weiß so gut wie gar nichts über sie, da sie aber dennoch eine durchaus komplexe Charakterentwicklung durchläuft, kann man dieser Figur kaum folgen, geschweige denn Sympathien für sie gewinnen. So kann man aus der einfachen Vater-Sohn-Klamotte viel zu selten ausbrechen und bleibt seinem großen Ruf eher schuldig.
„Kramer Vs. Kramer“ ist letztlich eine zielstrebige Romanumsetzung mit damaliger Erste-Wahl-Starbesetzung, die seinem Oscar-Schränkchen jedoch kaum gerecht wird.

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