Kopfgeld – Perrier’s Bounty

In die Kerbe von Guy Ritchie, Nicolas Winding Refn und Anders Thomas Jensen.

Originaltitel: Perrier’s Bounty
Produktionsland: Irland
Veröffentlichungsjahr: 2010
Regie: Ian Fitzgibbon
Drehbuch: Mark O’Rowe
Produktion: Elizabeth Karlsen, Alan Moloney, Stephen Woolley
Kamera: Seamus Deasy
Montage: Tony Cranstoun
Musik: David Holmes
Darsteller: Cilian Murphy, Brendan Gleeson, Jim Broadbent, Jodie Whittaker
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 88 Minuten

Der Tag fängt schlecht an für Michael. Er hat einen üblen Kater und erwacht mitten in einen echten Alptraum hinein. Denn sein Kredithai Perrier schickt ihm zwei Schläger auf den Hals, seine hübsche, aber depressive Nachbarin erschießt versehentlich einen der beiden und sein Dad platzt mitten rein in die blutige Schweinerei und verkündet, dass er jetzt dann bald stirbt. Michaels Bemühungen, aus dem Schlamassel wieder rauszukommen, machen alles nur noch schlimmer. Er muss sich bei der Beseitigung der Leiche und auf der Flucht vor Perriers Killern auch noch mit durchgedrehten Farmersfrauen, sehr schlechtem Wetter, kaputten Autos, Hundehaltern und der Falschparker-Polizei rumschlagen. Bis ein Rudel Kampfhunde als rettender Engel eingreift.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Irish Cinema, ein Kino, das durchaus im Kommen ist. Man denke an die Gebrüder McDonagh mit ihren Ausrufezeichen „In Brügge sehen … und sterben?“ und „The Guard„, die eine ganz eigenartige, aber durchaus schmackhafte Mixtur aus Thriller und Komödie with a courageous hint of realism darbieten. Oder auch „A Film with me in it“, der zwar nicht durchgehend überzeugen konnte, aber schonmal ein Markenzeichen setzt wie schwarz Humor sein kann. An zitierten Filmen schließt sich auch „Kopfgeld“ vom „A Film with me in it“-Regisseur Ian Fitzgibbon an, wobei der bescheuerte deutsche Verleihtitel auch das einzige Unmutige am Irish Thriller darstellt.

Cilian Murphy vs. Brendan Gleeson

Cilian Murphy („Inception“, „Sunshine“, Batman-Filme) ist sicher eines der schillernsten Gesichter des irischen Kinos, mit seinem Milchbubigesicht hat er als Protagonist in diesem stahlharten Stück Milieu-Thriller aber durchaus zu knabbern. Der von Murphy gebotene Held bietet zusammen mit Jodie Whitakker („Attack the Block“) und dem hollywooderfahrenen Schauspieler Jim Broadbent („The Iron Lady“, „Gangs of New York“, „Art School Confidential“) ein großartiges Dreiergespann seelisch zerrütteter Individuen, die sich durch die irische Unterwelt kämpfen müssen. Dem gegenüber steht eine eiskalte Bande an Gangstern, die nach versehentlichen Mords an einem ihrer Männer ein Kopfgeld auf das Protagonistendreieck ansetzen. Brendan Gleeson („The Guard„, „In Brügge sehen … und sterben?“) darf sein einzigartiges Talent im Film dieses mal als skrupelloser, aber dennoch familiärer Gangsterboss namens Perrier einsetzen und brilliert wie zu erwarten mit markigen Sprüchen und einer wie gehabt authentischen Darbietung.

Dublin als „Mit-Protagonist“

Die Geschichte ist nicht neu, was den Film qualitativ zunächst von den in der Einleitung genannten Glanzpunkte des jungen irischen Kinos unterscheidet, punkten kann der Film aber von seinem fühlbaren Realismus und dem hohen Gewaltgrad, der auch den hartgesottensten Zuschauern noch Unterhaltung bereiten sollte. Wie „In Bruges“ Brügge und „The Guard“ das irische Hinterwäldlerdorfland zum Mitprotagonisten ernennt, ist es in „Perrier’s Bounty“ ein Modern-Day-Dublin, das die Atmosphäre des Films entscheidend mitprägt. Dublin als Gangsterhochburg ist einfach ein nicht oft gesehens Terrain und in diesem Film ein durchaus funktionierendes obendrein: Zwischen verrauchten Pubs, Billardtischen und Vorstadthäusern mit Kampfhund trainierenden Bewohnern weiß Dublin als ganz eigenes, erwachsenes Crime-Thriller-Terrain zu gefallen.

Unmutig ist nur der Titel

Der Typical Black Humour ist in dem Film ziemlich trocken ausgefallen und bleibt immer wieder zwischen Baseballschlägen und Pistolenkugeln im Halse stecken. Die Charaktere können durchaus mit diverser Skurrilität aufwarten, die den Figuren eine Menge Profil verleihen. Was Oneliner und Situationswitz angeht, kann Fitzgibbon aber noch eine Menge von seinen Kollegen aus dem Hause McDonagh lernen. Da der Film aber nicht den Anspruch erhebt zwingend lustig zu sein, machen Blut und Knochenbrüche den fehlenden Unterhaltungswert aber allemal wieder wett.
Brendan Gleeson zeigt einmal mehr, dass er einfach eine Bereicherung für die europäische Filmlandschaft ist. Der Gangsterboss in „Perrier’s Bounty“ gleicht für ihn eher einer lässigen Fingerübung. „Perrier’s Bounty“ bietet reichlich Unterhaltungswert und eine gekonnt spannend aufgezogene Gangsterstory auf ungewohnter Dubliner Bühne. Mutig schlägt Fitzgibbon in die Kerbe von Guy Ritchie, Nicolas Winding Refn oder Anders Thomas Jensen. Ein Mut, den man beim deutschen Publisher nicht hatte und ein kommerzielles Sichergehen mit dem Langweilername „Kopfgeld“ fährt. Warum eigentlich nicht mal „Olympiade der Kampfhunde“?

6/10

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