Kontroll

Aus dem Leben eines Fahrkartenkontrolleurs.

Originaltitel: Kontroll
Produktionsland: Ungarn
Veröffentlichungsjahr: 2003
Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Jim Adler, Nimród Antal
Produktion: Tamás Hutlassa
Kamera: Gyula Pados
Montage: István Király
Musik: Neo
Darsteller: Sándor Csányi, Zoltán Mucsi, Csaba Pindroch, Sándor Badár, Zsolt Nagy, Bence Mátyási, Győző Szabó, Eszter Balla, László Nádasi, Lajos Kovács, Andrew Hefler
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 106 Minuten

Bulcsú hat sich für das Leben im Labyrinth entschieden. Tag und Nacht schleicht er durch die Gänge des U-Bahnnetzes, fährt Zug von früh bis spät und packt mit seiner Truppe den härtesten, undankbarsten Job der Welt an: die Fahrkartenkontrolle. Seine Kollegen und er werden angepöbelt, angespuckt, angebrüllt. Wer einmal U-Bahnkontrolleur geworden ist, der ist offensichtlich nicht mehr in der Lage mit der Welt an der Oberfläche zurecht zu kommen. Unter der Erde ist die Welt aber auch nicht einfacher zu meistern. Bootsie der flinkste Schwarzfahrer der Stadt, narrt die Kartenkontrolleure jeden Tag aufs Neue. Die Rivalen aus den anderen Kontrolltrupps feinden sie dauerhaft an. Und ein mysteriöser Killer, der immer wieder unschuldige Fahrgäste vor einfahrende Züge stößt, verbreitet Angst und Schrecken.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Wie kam ich zu diesem Film? Mein ehemaliger Improvisation-und-Regie-Dozent Andrew Hefler, der aus Kalifornien stammt, aber seit Jahrzehnten in Ungarn lebt und fließend ungarisch spricht, erzählte mir von diesem Film, da er eine kleine Gastrolle in diesem hat (Ein paar wenige Sekunden ist er als schweigsamer Drogenjunk zu sehen). Nimród Antal, dessen Lebenslauf zwischen Kalifornien und Ungarn sich ganz ähnlich liest wie der von Hefler, hat mit „Kontroll“ einen diffusen und sicherlich überschätzten Genre-Mix inszeniert, ehe er dann in Hollywood auch eher an durchschnittlicher Kost arbeiten durfte.

Fahrkartenkontrolleure sind Unsympathen

Der Fahrkartenkontrolleur ist sicher nicht das populärste Metier, um einen Film-Protagonisten darin zu platzieren. „Kontroll“ zeigt diesen Beruf als ein düsteren und wahnsinnigen. Es ist eine sehr erwachsene Welt, die man mit dem Anlegen der Kontrolleursbinde betritt. Die Kontrolleure sind Psychos mit geistigen Macken und kaum Bezug mehr zur Welt über den U-Bahn-Tunneln. Der Protagonist Bulcsú konstatiert später „Alle hassen uns.„, das kann und will „Kontroll“ aber auch nicht enkräften. Alle Figuren — mit Ausnahme vielleicht des U-Bahnfahrers Bela, der aber auch eine penetrant aufdringliche Exposition als Mensch mit dem Herz am rechten Fleck erhält — sind unsympathische, zwielichtige Menschen, mit denen man sich nicht identifizieren will.

Logik-Defizite

Das große Markenzeichen von „Kontroll“ ist, dass der Film vollständig in der Metro-Welt spielt. Das wird aber auch drehbuchtaktisch dadurch erkauft, dass Protagonist Bulcsú aus einem unerklärten Motiv heraus, im U-Bahn-Netz lebt und dort Tag und Nacht verbringt. Unverständlich bleibt auch die unnötige Liaison mit einer Frau im Teddybärkostüm. Romantik verbietet sich der Film hierbei ganz bewusst, pointiert den Film zum Schluss hin aber doch in diese Richtung. Hier bleibt viel Potenzial ungenützt. Auch eine, in einem Todesfall endende Überreaktion einer von Bulcsús Kontrolleurkollegen entzieht sich jeglicher Wohldosierung von Logik.

Repetition im Komödischen

„Kontroll“ zeichnet eine finster-surreale Welt mit seinen eigenen Regeln, aber er bleibt dabei mit einem Bein im Realismus einer Millieu-Studie, was ihm letztlich zum Verhängnis wird, denn die Dramenversatzstücke benötigen dringend Glaubwürdigkeit, die der Film nicht mitbringt. Aus den Anflügen von Komödienelementen hätte man auch mehr machen müssen, meistens beschränkt man sich dadrauf, repetitiv die Kontrolleure beim Scheitern der Ticket-Kontrolle zuzusehen und die frechen Schwarzfahrer triumphieren zu sehen.

Fahrkartenkontrolle bleiben Unsympathen

So bleibt ein fragmentarisches Gebilde aus verschiedenen Story-Anrissen, das sich auf seine surreale Wirkung verlassen will. Mit mysteriösem Kapuzenmörder und Tagtraum-Halluzinationen wird versucht, einen fehlenden roten Faden zu übertünchen. Einen klugen, gut getimten Plottwist hätte „Kontroll“ gebrauchen können. Stattdessen bleibt nicht viel mehr Erkenntnis als dass das Leben als Fahrkartenkontrolleur zwar hart ist, aber auch keinen Grund für Sympathiebekundung zulässt. Beim nächsten Mal wird wieder schwarzgefahren.

3/10

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