In My Skin

Substanzloser (Self)-Torture-Porn im Arthouse-Gewand.

Originaltitel: Dans ma peau
Produktionsland: Frankreich
Veröffentlichungsjahr: 2002
Regie: Marina de Van
Drehbuch: Marina de Van
Produktion: Laurence Farenc
Kamera: Pierre Barougier
Montage: Mike Fromentin
Musik: Esbjorn Svensson
Darsteller: Marina de Van, Laurent Lucas, Léa Drucker, Thibault de Montalembert, Dominique Reymond
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 93 Minuten

Durch einen Unfall verändert sich das Leben von Esther auf verhängnisvolle Weise. Zwar zog sie sich nur eine leichte Fleischwunde zu, aber eben diese Beschädigung ihres Körpes beginnt die junge Frau nachhaltig zu beschäftigen. Die Wunde schafft ein neues Bewusstsein zu ihrem Körper und dieser neue Zugang erscheint ihr erhaltungswürdig. Immer wieder öffnet sie diese Wunde und erfreut sich an dem Anblick ihres frischen Blutes und dem roten Fleisch. Schon bald reicht ihr diese eine Wunde nicht mehr und sie beginnt damit sich selbst zu verstümmeln. Eine düstere Obsession nimmt ihren Lauf, die besonders in Esthers Umfeld für Entsetzen sorgt.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Ich war etwas kaputt, als ich den Film sah und bin einmal kurz weggenickt. Man, bin ich cool. Hab‘ mich dann bei meiner Freundin informiert, was geschah. Von daher gesehen, fühle ich mich in der Lage über den Film urteilen zu können.

Geschäftswelt und Gewalt

„In My Skin“ ist für mich ein ziemlich prätentiöser Gehversuch im kontroversen Gefilde und von noch frecherer Selbstdarstellung als RP Kahls „Bedways„. Die Verstümmelungen sind natürlich hübsch in Szene gesetzt, auch wenn sie mich nicht so schockierten wie andere Zuschauer, kann ich die Wirkung, die man ihnen nachsagt, doch nachvollziehen. Nichtsdestotrotz ist der Film ein substanzloser (Self)-Torture-Porn im Arthouse-Gewand. Die Andeutung, das abgehandelte Verhaltensmotiv stehe im Zusammenhang mit der Anzug-tragenden Geschäftswelt, ist ein recht altes Motiv, dem der Film keine neuen Erkenntnisse hinzugeben kann. Viel mehr ist Marina de Vans One-Woman-Show sogar völlig desinteressiert an einer psychologischen Grundlage ihrer Figur (Sowas gefällt mir immer gar nicht).

Bulimie-Allegorie?

Man könnte rein theoretisch „In My Skin“ auch als Bulimie-Allegorie lesen, aber man kann auch „Hangover 3“ als Konsum-Kritik verstehen. Will sagen: Nur, weil man das kann, macht sich der Film in dieser Rolle immer noch nicht gut. So sollte man „In My Skin“ wohl vordergründig so verstehen, dass er selbstzugefügtes Leid als sexuelle Befriedigung thematisiert. Nur machen Blut, Wunden und Stiche auch mit noch so vielen Splitscreen-Spielereien noch keine zureichende Auseinandersetzung damit. Irgendwie scheint permanent eine im Film selber recht wortkarge Marina De Van durch, die regelrecht herausschreit, wie unglaublich kontrovers, antikonventionell und unbrav sie doch sei. Durchschaubar.

Ein Andenken und Sex-Spielzeug

Eine einzige Metapher hat mir dann doch ganz gut gefallen: Esther schneidet sich ein Stück Haut heraus und gerbt es. Sie schafft sich also ein Andenken und gleichzeitig eine Art Sexspielzeug, da sie vermutlich in die funktionelle Geschäftswelt zurück muss, in der die Auslebung ihres Fetischs keinen Platz hat. Ebendiese Welt ist aber auch ziemlich langweilig und ohne jegliche Tiefe dargestellt. Dass die Businesswelt farblos porträtiert wird, kann man noch in die versuchte Gesellschaftskritik einbinden, dass in der Beziehung mit Vincent einfach kein Funken überspringen will, trägt jedoch dazu bei, dass man keine Verbindung zur Protagonistin aufbauen kann und will.

Wer sich also von der in diesem Fall ungewöhnlichen Auslegung des Wortes „Fleischbeschau“ nicht schocken lässt, kann in diesem Film nicht viel finden, außer leere Andeutungen und einen weiteren abgehakten Stichpunkt auf der „Kontroverse-Filme“-Liste.

3/10

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