Hobo With A Shotgun

Paradise City ist ein Toys-r-us-Store dagegen.

Originaltitel: Hobo With A Shotgun
Produktionsland: Kanada
Veröffentlichungsjahr: 2011
Regie: Jason Eisener
Drehbuch: John Davies
Produktion: Rob Cotterill, Niv Fichman, Paul Gross, Frank Siracusa
Kamera: Karim Hussain
Montage: Jason Eisener
Musik: Alexander Rosborough
Darsteller: Rutger Hauer, Brian Downey, Gregory Smith, Molly Dunsworth, Nick Bateman, Drew O’Hara
Altersfreigabe: FSK ungeprüft, SPIO/JK: Strafrechtlich unbedenklich (beschlagnahmt)
Laufzeit: 86 Minuten

Er mag vielleicht keine Wohnung haben, kaum Geld und keine Freunde – eine Schrotflinte hat er sehr wohl: Rutger Hauer ist der Hobo with a Shotgun. Und dieser ist nicht länger bereit zuzusehen, wie die Gesellschaft vor die Hunde geht. Er entschließt sich aufzuräumen mit all den Kriminellen, Junkies und dem restlichen Abschaum, der die Straßen verschmutzt. […]
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Alle Jahre wieder kommt so ein Film heraus, der mal wieder mit kontroverser Gewaltdarstellung schockt und an dem sich Kritikergeister scheiden. Dann geht es meistens doch wieder um die recht konservative Debatte wie viel Blut okay und wie viel schon wieder geschmacklos ist — und manchmal vielleicht noch darum, ob man dem Film etwaige Gesellschaftskritik auf Subtextebene zudichten will oder nicht. „Hobo With A Shotgun“ ist ein solcher Polarisierungskandidat.

Ja, Dystopie

Zunächst einmal: Ja, ein Kreuzzug gegen die verkommende Unterwelt ist Gesellschaftskritik. Und aus diesem Anspruch bzw. Motiv macht „Hobo“ auch nie einen Hehl. Überall Gewalt, Dreck, Folterung, Prostitution und korrupte Polizei. Die Hobo-Stadt ist ein dystopisches Loch, trashig-überzogen bis zum Abwinken. Paradise City ist ein Toys-‚r‘-Us-Store gegen die „Hobo“-Stadt. Natürlich ist es gesellschaftskritisch, wenn das TV nur Interesse an Demütigungen und Ekelhaftigkeiten hat, wenn jede Frau eine Prostituierte ist, wenn Waffen so günstig und leicht zu beschaffen wie Rasenmäher sind … Dass die Gesellschaftskritik in „Hobo With A Shotgun“ plump ist, sollte den Machern selbst klar gewesen sein. Leider gibt es auch Momente, in denen sich den Film tatsächlich zum kritischen Sprachrohr erhebt und den Hobo über die verkommende Gesellschaft philosophieren lässt. Dabei kommt der schwarze Humor zu kurz, auch wenn er in seinen schwärzesten Momenten wirklich sehr schwarz ist.

Exotische Bildschirmtode

When life gives you razor blades, you make a baseball bat covered in razor blades.

Die guten Einfälle hat dieser Trashfilm leider fast ausschließlich bei seinen exotischen Bildschirmtoden, samt kunstblutbadender Handwerksarbeit. Fans von Oldschool-Actionfilmen und Trashfilmen sowie Jugendlichen auf der Suche nach dem nächsten blutigen Kick ist „Hobo“ dank Klodeckeln, Schulbussen und Galgenharpunenpistolen durchaus zu empfehlen. Und im Finale kommt sogar kurz so etwas wie Spannung auf, auch weil manche merkwürdige Erscheinungen im Film (ich sage nur: Krake) gar nicht erst geklärt werden.

Konventionelle Rache

Hinter der witzigen Vorstellung eines amoklaufenden Penners steckt aber — man vermag es hinter den Blutfontänen kaum mehr zu erkennen — eine sehr konventionelle Rachefeldzugstory mit sehr konventionellem Leinwandpaar. Das ganze „Wir-gegen-den-Rest-der-Welt“ und die Anflüge von Charakteraufbau hätte sich „Hobo“ komplett sparen können, weil es einfach nicht zündet. Stattdessen wäre man besser damit aufgehoben auch die Storyline an sich komödischen Wendungen unterlaufen zu lassen, statt nur an der gleich bleibenden Revenge-Story den einen oder anderen Trash-Moment abzuarbeiten.

A shotgun? This town is impressed by a homeless man with a fucking shotgun? Where’s the creativitiy in that?

Fazit

Ich würde „Hobo With A Shotgun“ definitiv in die 1000 Filme, die jeder Cinephile mal gesehen haben sollte wählen; dass der Film hingegen gut ist, heißt das noch nicht. Ein Must-See, der hinter seinen unvergesslichen bzw. unverdrängbaren Momenten zu viele Schwächen verbirgt.

4/10

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