God Bless America

Moral-Kalaschnikow: Einmal mehr der Amoklauf gegen das System.

Originaltitel: God Bless America
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2011
Regie: Bobcat Goldthwait
Drehbuch: Bobcat Goldthwait
Produktion: Jeff Culotta, Sarah de Sa Rego, Richard Kelly, Sean McKittrick
Kamera: Bradley Stonesifer
Montage: David Hopper, Jason Stewart
Musik: Matt Kollar
Darsteller: Joel Murray, Tara Lynne Barr, Melinda Page Hamilton, Mackenzie Brooke Smith, Rich McDonald, Maddie Hasson, Larry Miller, Dorie Barton, Aris Alvarado
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 105 Minuten

Als bei Frank (Joel Murray) ein Tumor im Kopf festgestellt wird und er nicht mehr lange zu leben hat, will er seinem Leben zunächst selber ein Ende setzen. Doch angesichts der Volksverdummung via Fernsehen überlegt er es sich anders und startet einen blutigen Feldzug gegen jeden, der es in seinen Augen verdient hat zu sterben. Unterstützung erhält er dabei von der jungen Roxy (Tara Lynne Barr).
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

An anti-amerikanischen Filmen kann man sich kaum sattsehen. Kaum eine Nation bietet so dermaßen viel Angriffsfläche, so viel Verkommenheit, so viel exzessiven, unvernünftigen Materialismus. Das verzogene Kind Amerika kann man auf eine riesige Zahl an Möglichkeiten kritisieren, sezieren und karikieren. „God Bless America“ nimmt den einfachsten Weg: den Amoklauf gegen das System. Der Film ist eine Moral-K … alaschnikow, die aber nicht mehr unter Kontrolle ist und in alle Richtungen feuert. Am Ende kriegt nicht nur White-Pride-America eine dicke Salve ab, sondern auch das Machwerk selbst. „God Bless America“ endet wie jeder Amoklauf: Nach dem Abschuss der Zielobjekte richtet sich die Waffe gegen sich selbst und alles wofür man steht.

Aufräumkommando gegen die Intoleranten

„God Bless America“ muss man zu Gute halten, dass immerhin die generelle Schussrichtung zu befürworten ist. Schwulenhasser, religiöse Fanatisten, Antisemiten, Rassisten, Tea-Party-Hardliner, Nationalisten. Dass sich der Film als Aufräumkommando gegen die Intoleranten versteht, ist ein lobenswertes Unterfangen. Leider funktioniert der Rachefeldzug mit denselben Mitteln, die er eigentlich kritisieren will. Plumpe Provokation, stupide Sprüche und das alles im Versuch es unter dem Schirm einer Komödie zu legitimieren. Dabei sollte man sich gar nicht einmal so prüde sein, sich über die Gewaltdarstellung in „God Bless America“ zu mokieren. Platzende Babys, ermordete Teenie-Chics samt Eltern. Es wäre vielleicht weniger geschmacklos geworden, wenn der Film noch geschmackloser wäre. Erklärung? Dadurch, dass „God Bless America“ seine Gewalt als schwarze Actionkomödie verpackt, erschafft es dieselbe schändliche Distanz, die wir zu TV-Trash haben, den der Film eigentlich kritisieren will. Wir lachen darüber. Wenn Teenie-Chics in einem bierernsten Drama unter derselben Schirmintention ermordet worden wären, wäre der Film ein wirklicher Skandal, aber vielleicht sogar näher an seinem Anliegen als in vorliegender Form.

The same old story

Von einem Skandal ist der Film weit entfernt und letztlich ist er prüder als er sich gibt. Das Duo „Alter Versager + intelligent-misanthropisches Teenie-Girl“ ist so neu nicht. Aber wenn schon behaupten Vladimir Nabokovs Lolita-Erotik sei nur Erfindung der Medien, dann auch bitte mit einem Protagonisten, der sich nicht selbst dabei erwischt, sich in das Mädchen zu verlieben. So ist die Liaison nur gerade so provokativ gestaltet, dass die Konservativen darüber abkotzen können. Aber wenn wir ehrlich sind, gab es dieselbe Figurenkonstellation (samt derselben Story!) auch schon in „Super“ und sogar in „Hobo with a Shotgun„. In letzterem Film war das Mädchen zwar volljährig, aber der Protagonist nichtsdestotrotz eher Vaterfigur und somit in die gleiche parthenophile Kerbe boxend. „Super“ ist hingegen der einzige der drei Filmen, der sich inhaltlich wirklich auszeichnen kann, weil sein Protagonist immer Distanz zum Publikum wahrt, immer Versager bleibt und nicht durch den Amoklauf einen Ausweg findet, den die Filmintention selbst gutheißt.

Einfallsloser Indie

Dieser zusammengeklaute Streifen könnte so herrlich exploitativ-anti-amerikanisch sein, aber am Ende ist er genau so plump wie alles, was er angreifen möchte. Sogar auf Standard-Storywendungen und uninspiriertes Finale muss zurückgegriffen werden. Nichts an diesem Film ist wirklich kritisch, wirklich klug-provokativ, kontrovers oder innovativ. Das einzig Aufrüttelnde am Film, ist die Qualität des Films, die die Frage zulässt, was mit dem god-blessed America los ist, dass selbst seine eigenen einheimischen Kritiker aus der Indie-Szene genauso einfallslos wie der festgefahrene Mainstream sind.

34%

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