War Horse

Für Pferdefreunde und Kriegsfilmliebhaber.

Originaltitel: War Horse
Alternativtitel: Gefährten
Produktionsland: Großbritannien / USA
Veröffentlichungsjahr: 2011
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Lee Hall, Richard Curtis
Produktion: Kathleen Kennedy, Steven Spielberg
Kamera: Janusz Kamiński
Montage: Michael Kahn
Musik: John Williams
Darsteller: Jeremy Irvine, Peter Mullan, Emily Watson, Niels Arestrup, David Cross, Leonard Carow, Celine Buckens
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 146 Minuten

Ein Gefährte ist für gewöhnlich jemand, mit dem man gemeinsam eine längere Reise bzw. Fahrt unternimmt. Weniger verbürgt ist, dass der Ursprung des Wortes auf der ‘Gefahr’ beruht. Dennoch treffen beide Bedeutungen auf Gefährten zu, die Geschichte zweier Freunde vor dem epischen Hintergrund des Ersten Weltkrieges.
Im Falle von Albert Narracott (Jeremy Irvine) ist nicht der Hund des besten Freund, sondern ein Pferd, das auf den Namen Joey hört. Die beiden sind unzertrennlich. Doch als der Krieg ausbricht und jeder seinen Beitrag leisten muss, wird Joey an die Kavallerie verkauft und aufs Festland für den Kriegseinsatz verschifft. Albert ist untröstlich und setzt alles daran, Joey wiederzufinden. Für beide Gefährten bricht eine entbehrungsreiche Odyssee an, die sie auf unterschiedlichen Wegen durch die Kriegswirren führt.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

In sechs Oscar-Kategorien war Spielbergs neues Projekt „War Horse“, das mal eben 66 Millionen Dollar kostete, bei der 2012er-Verleihung nominiert, ging aber leer aus. Warum das so war, liegt auf der Hand: Spielberg liefert hier ein zwar grandios aussehendes aber schrecklich gefühlsduselerisches Werk ab, das von Minute Eins bis Minute Einhundertesechsundvierzig Kitsch und Sentimentalismus en Masse preigibt. Wer drauf steht …

Melodramatik auf Anschlag

Der Star des Films: Das Pferd Joey. Vom Protagonisten Albert (Jeremy Irvine) liebevoll aufgezogen und als Freund und „Gefährte“ gewonnen, geht seine Reise quer durch den ersten Weltkrieg, der imposant, aber auch äußerst theatralisch und kinogerecht unblutig präsentiert wird. Es trifft auf stolze Engländer, die für ihr Land in den Kampf ziehen, sich gefangen nehmen lassen und von den Deutschen erschießen lassen, auf Franzosen, die auch ziemlich klassisch als Duo des hübschen kleinen Mädchen (Celine Buckens) und dem dazugehörigen gutherzigen Opa (Niels Arestrup), dargestellt werden und natürlich Deutschen, die herzlich wenig von Tierfreundschaft und Gefangenenethik halten, als pure Antagonisten werden sie aber nicht verklärt, schließlich ist das erst der Erste Weltkrieg. Das Schema, dass das Pferd auf seiner Reise neue Fähigkeiten wie das Schleppen oder das Springen beigebracht bekommt und diese sich auf seinem Weg als lebensrettend erweisen, hat der Zuschauer ziemlich schnell raus. Auch das erwartete Happy End, dass das Pferd am Ende seiner langen Reise — soviel darf mal gespoilert werden — zu seinem Besitzer Albert zurückkehert, bleibt dem Zuschauer nicht erspart. Wenn es dann besonders melodramatisch wird, holt Spielberg emotive Streichermusik heraus — was dazu führt, dass gefühlt der ganze Film von ebenjener Musik untermalt ist.

Blick auf die Technik

Lobend erwähnt werden muss die Optik des Films, die jedes heimische Bluray-System in seiner Existenz berechtigt. Die gigantischen Materialschlachten des ersten Weltkriegs bringen den Subwoofer zum Schwitzen und hier und da sind es auch ruhigere Szenen wie eine Exekution, die stilvoll immer wieder von den rotierenden Mühlenflügeln aus dem Blickfeld des Zuschauers gerät, die die Nominierung für die beste Kameraarbeit rechtfertigen. Vor allem ist „War Horse“ aber eines: Ein Schaulaufen der Hollywoodstars von morgen. Jungschauspieler David Kross darf auf deutscher Seite genauso sein Spielberg-Debüt geben, wie der erst 17-jährige Leonard Carow. Aus Belgien darf man sich alsbald auf die sexy Präsenz einer gewissen Celine Buckens freuen, die wohl in spätestens drei vier Jahren auch erwachsene Frauenrollen darbieten dürfte. Das schöne Gesicht hat sie bereits. Besondere Entdeckung ist aber Jeremy Irvine, der noch gänzlich unbekannt ist und mit seiner Hauptrollenperformance das Hollywoodtor meilenweit aufgeschlagen haben dürfte.

Von deutschen und britischen Soldaten

Anspruchsvoll ist „War Horse“ mitnichten. Die Behandlung des Krieges bleibt den gesamten Film über sehr oberflächlich und auf Grundschulniveau. Der Storybogen tut da sein übriges und siedelt Stereotypen par Excellence und vorhersehbare Storywendungen auf. Deutsche Soldaten exekutieren, britische nicht. Britische Soldaten kämpfen mit Recht und Stolz, deutsche desertieren oder weigern sich weiterzulaufen, wenn sie wie die Briten stolz für ihr Land kämpfen, sind sie gleich skrupellose Mistkerle, die antagonistisch gezeichnet sind. So ziemlich jede Filmfigur ist ein monovalentes Mittel zum Zweck, dass der pathetischen Geschichte zur Non Stop-Rumduselei verhilft.

Ein Film für eins ehr spezielles Publikum

Wie bereits erwähnt, erhebt Spielberg im Gegensatz zu „Schindlers Liste“ etwa nie den Anspruch wirklich anspruchsvolles Kino abzuliefern und ist somit für ernsthafte Interessenten an der Kriegsthematik ein schlechter Witz. Aber der Film erreicht es auch keineswegs seiner familienfreundlichen Blockbuster-Ambition nachzukommen. Für Kinder ist „War Horse“ bei allem Sentimentalismus und oberflächlicher Storyline zu brutal und vor allem zu lang! So liegt hier letztendlich die falsche Melange aus Spielberg-Gefühlschaos und Spielberg-Materialschlacht vor, um wirklich existenzberechtigt zu sein. Einzig Pferdefreunden, denen die Kriegsthematik, aber auch die stereotypischen Darstellungen nicht stören, ist „War Horse“ zu empfehlen. Sprich: So gut wie niemandem.

34%

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.