Black Coal, Thin Ice

Ein Hybrid aus Neo-Noir und Gesellschaftsdrama.

Originaltitel: Bai Ri Yan Huo (白日焰火)
Alternativtitel: Feuerwerk am helllichten Tage
Produktionsland: China
Veröffentlichungsjahr: 2014
Regie: Diao Yinan
Drehbuch: Diao Yinan
Produktion: Qu Vivian, Wan Juan
Kamera: Dong Jingsong
Montage: Yang Hongyu
Musik: Wen Zi
Darsteller: Liao Fan, Kwai Lun-mei, Wang Xuebing, Wang Jingchun, Yu Ailei, Ni Jingyang
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 106 Minuten

Der Polizist Zili ermittelt im Fall mehrerer Serienmorde und findet heraus, dass alle Opfer eine Beziehung mit einer Frau namens Zhizhen hatten. Scheinbar war Zhizhen auch die Ermittlerin, die fünf Jahre zuvor einen Mordfall betreute, in den auch ihr Ehemann verwickelt war. Zili lässt sich aus sowohl privatem als auch beruflichem Interesse auf Zhizhen ein, wobei er ungewollt in eine Beziehung verfängt.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Zumindest das Gewinnerland war letztlich keine Überraschung auf der Berlinale 2014: Mit gleich drei Beiträgen war die Volksrepublik China vertreten und konnte insgesamt drei von sieben Bären mit nach Hause nehmen. Darunter der Goldene Bär, den Diao Yinans „Feuerwerk am helllichten Tage“ gewann. Die Nachricht, die hinter diesem Film steht, ist, dass vor allem mit Genrekost aus dem Land der Mitte in Zukunft zu rechnen ist (auch „Tui Na“ und „No Man’s Land“ sind Filme mit Genre-Zugeständnissen). „Feuerwerk am helllichten Tage“ ist zwar ein aufregendes Stück Noir-Dynamit, hinter der Jury-Entscheidung bleibt aber dennoch ein Fragezeichen, denn ein überragender Film sieht anders aus.

Spiegelbild des modernen Chinas?

Wer sich fragt welcher Titel denn die tatsächliche Übersetzung des Originaltitels darstellt, „Black Coal, Thin Ice“ oder der deutsche Titel „Feuerwerk am helllichten Tage“: Es ist der deutsche Titel. Das Tagesfeuerwerk verweist auf ein ominöses Hotel, das im Film eine Rolle spielt, genauso auf das abrupte Ende des Films, das mit der Filmstory gar nichts zu tun haben scheint und genau deswegen einen interpretarorischen Raum bietet. Yinans Werk ist ein Hybrid aus Neo-Noir und Gesellschaftsdrama. Er bedient typische Noir-Stigmata vom Alleingänger-Cop bis zur Femme Fatale, verfrachtet die Geschichte aber in ein China der Mittel- und Arbeiterschicht und provoziert, ein Spiegelbild des modernen Chinas zu sein. Vor allem zweiteres dürfte der Berlinale-Jury gefallen haben.

Reißerische Momente

Wichtiger scheint es Regisseur Diao Yinan aber gewesen zu sein, einen Kriminalfilm mit verwinkelter Geschichte anzubieten. Sozialkritik wird dann auf ein Mindestmaß heruntergefahren. Wenn Schlittschuhe als Mordinstrument verwendet werden etwa hat „Feuerwerk am helllichten Tage“ auch seine reißerischen Momente. Die angebotene Crime-Story, auf die sich der Film mehr und mehr selbst reduziert, kann letztendlich aber nicht wirklich befriedigend aufgelöst werden und leidet darunter, dass Yinan hin und wieder doch mit der Dynamik eines Sozialdramas vortragen will. Die schlussendliche Auflösung der Geschichte macht das Ausmaß der Gewalt, vor allem seiner Quantität, nicht wirklich nachvollziehbar. Vieles bleibt zwischen den ausgezeichneten neontrunkenen Bildern des Films stecken, auch wenn das Absicht sein mag und ebenso seine Befürworter finden wird.

„Feuerwerk am helllichten Tage“ wird kaum Diskussionen auslösen. Die dargebotene Kriminalgeschichte wird den ein oder anderen Zuschauer zufriedenstellen, aber auch nicht zu Jubelstürmen verhelfen. Andere Zuschauer werden auch vom Story-Gerüst enttäuscht sein und darüberhinaus bietet der Berlinale-Gewinner zu wenig sozialkritische Gesinnung, um noch auf anderen Feldern angreifen zu können.

67%

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