East Is East

Tolle Integrationskomödie.

Originaltitel: East is East
Produktionsland: Großbritannien
Veröffentlichungsjahr: 1999
Regie: Damien O’Donnell
Drehbuch: Ayub Khan-Din
Kamera: Brian Tufano
Produktion: Leslee Udwin
Montage: Michael Parker
Musik: Deborah Mollison
Darsteller: Om Puri, Jimi Mistry
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: 92 Minuten

In jeder Großfamilie geht es turbulent zu, doch bei den Khans ist alles noch ein wenig chaotischer. Denn täglich prallen unter ihrem Dach zwei Weltanschauungen aufeinander. Wie ein Patriach wacht das pakistanische Familienoberhaupt George “Dschingis” Khan über seine sieben Kinder und will sie zu guten Moslems erziehen. Doch die haben längst ihren eigen Kopf und fühlen sich als Engländer, wie ihre bodenständige Mutter. Zwischen Moderne und Tradition, Schlaghosen und arrangierten Eheschließungen proben die Kids den Aufstand gegen ihren Dad.
Quelle: Moviepilot

Kritik:

Typische Englischunterrichtsthemen? Australien und seine unterdrückten Ureinwohner, Afroamerikaner, Indische/Pakistanische Immigranten in Großbritannien … Ich denke das Bildungsministerium und seine tolerantistischen Themenvorgaben kennt jeder noch aus seiner eigenen Schulzeit. Das niedersächsische Ministerium hat uns dazu genötigt diesen Film zu gucken, glücklicherweise konnte ich meinen Englischlehrer noch davor überzeugen „This is England“ zu gucken. Besser wär’s gewesen, wenn auch das Bildungsministerium auch auf mich gehört hätte.

Völliges Scheitern als Integrationskomödie

„East is East“ habe ich sehr unvoreingenommen geguckt. Ich erwartete das, als was mir der Film im Vorfeld auch angepriesen wurde: Eine heitere Integrationskomödie á la „Türkisch für Anfänger“ und da ich mit dem englischen, pechschwarzen Humor eigentlich sehr sehr viel anfangen kann, war durchaus Vorfreude gegeben, zumal es ja immer eine schöne Sache ist im Unterricht einen Film zu gucken (Auch wenn man schlechte Mitarbeitsnoten bekommt, wenn man nicht mitschreibt und noch schlechtere wenn man mit dem Netbook mitschreibt, habe ich gemerkt). Vorweg: „East is East“ scheitert. Nein, bei dieser Art und Weise wie der Film scheitert und bei den Wertungsgefilden, in die der Film abrutscht, kann man auch mal sagen: Der Film fliegt regelrecht auf die Fresse.

Ein klischeehafter Muslim-Unmensch

Der Film hat den Anspruch eine schwarzhumorige Komödie zu sein, die gleichzeitig die Integrationsproblematik verarbeitet, scheitert aber tatsächlich in beiden Disziplin auf fast schon beachtenswerte krasse Weise. Der Humor kommt über einige Situationswitze, in denen die Kinder ihren westlichen Lifestyle dem traditionellen Vater verbergen wollen, sowie teils sehr vulgärer Umgangssprache leider nicht hinaus und bewegt sich daher leider noch unter Scary Movie-Niveau. Auch die Charaktere im Film sind ausnahmslos als sehr unsympathische Figuren gezeichnet, die verbotene Lovestory zwischen dem Sohn mit dem britischen Mädchen wäre doch eine Superchance gewesen um Spannung oder Witz aufzubauen, stattdessen ist die britische Freundin eine der nervigsten Figuren im Film. Knackpunkt allerdings, warum der Film als heitere Integrationskomödie scheitert, ist, dass der Vater ein übelst klischeehafter, überzeichnerter Muslim-Unmensch ist, der seine britische Frau schlägt, sie Hure nennt und auch mal Sätze wie „Ich verbrenne deine Familie“ von den Lippen gleiten lässt. Hallo? Da hört doch schwarzer Humor auf, oder?

Hässliche Frauen — Oh mein Gott, wie lustig.

Fataler Umgang mit Zwangsverheiratung

Auch als ernsthafte Behandlung des Integrationsthemas scheitert „East is East“. Wir haben die allgemein schon sehr unwahrscheinliche Ausgangssituation, dass wir einen traditionell-religiösen, patriarchischen Vater haben, der eine britische Frau geheiratet hat. Und trotzdem will dieser Vater seine beiden Söhne mit pakistanischen Mädchen zwangsverheiraten und verhindern, dass sie britische Mädchen heiraten. Das schlimmste am Film ist aber meiner Meinung nach, dass es der Film allen Ernstes wagt dieses (eigentlich überhaupt nicht lustige) Thema Zwangsverheiratung auch noch aus männlicher Perspektive zu zeigen (Bei muslimisch-nichtmuslimische Ehen ist es doch weit häufiger, da von repressiv-muslimischer Seite eher noch tolerierter, wenn muslimische Männer eine Nicht-Muslima zur Frau nehmen. Muslimische Frauen, die einen nicht muslimischen Mann heiraten, sind doch weitaus seltener.)

Humoristische Ausschlachtung der schlimmsten Sorte

Und es kommt noch schlimmer! Der Film wagt es ernsthaft, sich auch noch über den weiblichen Gegenpart lustig zu machen, indem die Frauen als so ultimativ hässliche Kreaturen dargestellt werden (Haha, lustig.), dass sie ja froh sein sollten, dass sie überhaupt Männer abbekommen. Dass diese Menschen auch zu einer Zwangsverheiratung getrieben werden, wird nicht dramatasiert, sondern als eines der wenigen humoristischen Elemente des Films verwendet!

„East is East“ ist eine der wenigen Filme, die ich tatsächlich als eine kulturelle Schande ansehe. Intentional greift dieser Film so sehr ins Klo, dass man davon fast schon Magenkrämpfe bekommt. Was soll denn die Message des Films sein? Dass multikulturelle Familien nicht funktionieren? Oder dass Zwangsverheiratungen eine schlechte Sache sind gegen die man sich zu Wehr zu setzen hat? Der zweite Fall wäre gut, doch dann ist man meilenweit am Ziel vorbeigeschossen. Dieser Film ist so überzeichnet, dass er fast schon als rassistisch und anti-islamisch gelten kann. Tolle Integrationskomödie.

19%

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