Dogma

Eine Pseudoreligionsstunde: Die Kirche ist nicht unfehlbar, der Glaube aber zählt.

Originaltitel: Dogma
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 1999
Regie: Kevin Smith
Drehbuch: Kevin Smith
Produktion: Scott Mosier, Kevin Smith
Kamera: Robert Yeoman
Montage: Scott Mosier, Kevin Smith
Musik: Howard Shore, Alanis Morissette
Darsteller: Matt Damon, Ben Affleck, Alan Rickman, Salma Hayek, Linda Fiorentino u.A.
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 123 Minuten

Die katholische Kirche hat Probleme. Immer mehr ihrer Schäfchen verlassen den rechten Weg des Glaubens, und wenden sich von den zehn Geboten und anderen Grundlagen der Religion ab. Cardinal Glick will seine Gemeinde daher mit populären Methoden wieder attraktiv für die heutige Zeit machen. Auch ein besonderes Ereignis wird in Cardinal Glicks Kirche in New Jersey in wenigen Tagen stattfinden: die Kirche feiert ein Jubiläum, und an diesem Tag werden jedem, der eine Pforte in dieser Kirche durchschreitet, all seine Sünden vergeben werden, auch den gefallenen Engeln Loki und Bartleby, die von Gott höchstpersönlich verstoßen wurden, und auf diese Weise den einzigen Weg sehen, zurück nach hause zu kommen. Was die beiden aber nicht wissen ist, daß es mit der Schöpfung zu Ende sein wird, sobald sie durch die Pforte gehen, weil sie damit die Unfehlbarkeit Gottes widerlegen würden, und das komplette Dasein damit nichtig wäre. Was bleibt den Verantwortlichen im Himmel also anderes übrig, als zu versuchen, die beiden (Ex-)Engel aufzuhalten? Sogar Metatron, das offizielle Sprachrohr Gottes, macht sich neben den beiden Propheten Jay und Silent Bob an die Arbeit; außerdem soll Bethany Sloane, eine junge Frau, die um etwa 27 Ecken mit Jesus verwandt ist, aber Probleme mit ihrem Verhältnis zum Glauben hat, ihnen dabei helfen, Loki und Bartleby aufzuhalten. Außerdem im Team: der 13. Apostel Rufus und eine Muse.
Quelle: Moviepilot

Kritik:

Mit „Dogma“ veröffentlichte Kevin Smith Ende der 90er Jahre eine besonders provokative Komödie, die sich mit voller Absicht anschickt, den konservativ-religiösen US-Mitbürgern gehörig auf die Füße zu treten. Ohne groß spoilern zu wollen: „Dogma“ hat einen 13. Apostel, einen (vielleicht) schwarzen Jesus, einen weiblichen Gott, ein Exkrementmonster als Vorbote Luzifers und viele andere religiöspolitische Uncorrectness zu bieten. Den Film dann auch noch ganz prätentiös „Dogma“ zu nennen, macht die Provokation natürlich perfekt .Dabei kann man aus dem Film tatsächlich so etwas wie eine ernst zu nehmende religiöse Stellungnahme herauslesen, die da lautet: Die Kirche ist nicht unfehlbar, der Glaube aber zählt.

Gag-Dichte ist entscheidend

Als atheistischer bzw. agnostischer bzw. einfach religiös uninteressierter Zuschauer kommt es aber vor allem auf die Gag-Dichte an, die dieser Film darzubieten hat. Und tatsächlich macht die Story-Line anfangs ganz schön was her. Dass die beiden Engel Loki und Bartleby ausgerechnet in der durchdogmatisierten Kirche einen Logikfehler entdecken, der die ganze weltliche Existenz auslöschen könnte, ist zunächst eine pfiffige Drehbuchidee, die bei der Exposition der Filmfiguren großen Spaß bereitet. Engel Loki zuzusehen wie er einen Revolver im Waffenladen kauft und sich beschwert, dass dieser „zwar kompakt, aber nicht so eindrucksvoll wie sein Flammenschwert sei“ gehört zu den Stärken des Films, leider bewegen sich einige Witze aber auch lediglich auf einem etwas verbesserten Scary Movie-Niveau. Wer wirklich eine Komödie mit intelligtem Religionsbezug sucht, ist mit „Dogma“ nicht perfekt aufgehoben. Hier ist der religiöse Rahmen eher Aufhänger für eine schwarzpointierte Nonsense-Story. (Und ganz nebenbei, Kevin: „Azrael“ ist kein Dämon, sondern ein Engel).

Ein verkrampftes Ende

Und hier kommt auch die große große Schwäche des Films: Die ersten 60 Minuten des Films klappen summa summarum super, es gibt im Positiven Sinne bescheuerte Pointen in christlich-religiöser Motivik, die restlichen 60 Minuten stellen sich aber mehr und mehr als ein Skript-Wirrwarr raus. Smith schafft es in Hälfte zwei nicht seine vielversprechenden Ansätze zu steigern, stattdessen nimmt das narrative Niveau ab und Smith geht immer weiter die Stringenz seiner apokalyptischen Komödie verloren. Selten wirkte eine Hollywood-Komödie im großen Finale auf mich so verkrampft und unbefriedigend.
„Dogma“ ist bei weitem kein schlechter Film und für eine kleine Pseudoreligionsstunde durchaus zu gebrauchen, letztlich setzt Smith aber zu sehr auf seinen plakativen Skandal-Effekt und vergisst es seine Hausaufgaben in Sachen Erzählstruktur und Spannungsaufbau zu machen.

5/10

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