Django Unchained

Über den Klimax hinaus: Tarantino lässt Gefühl für Erzählrhythmus vermissen.

Originaltitel: Django Unchained
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2012
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Produktion: Reginald Hudlin, Stacey Sher, Pilar Savone
Kamera: Robert Richardson
Montage: Fred Raskin
Darsteller: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Kerry Washington, Samuel L. Jackson, Don Johnson, Walton Goggins, James Remar, Dennis Christopher, Laura Cayouette, Dana Michelle Gourrier, Jonah Hill, Franco Nero, Quentin Tarantino u.A.
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 165 Minuten

Die Geschichte von Django Unchained ist eine Odyssee voller Entbehrungen und Sehnsucht. Wir befinden uns in den Südstaaten, kurz vorm Bürgerkrieg; Sklaverei ist hier noch eine Alltagserscheinung. Als das Sklavenpaar Django (Jamie Foxx) und seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) bei einer Auktion getrennt werden, hat Django nur noch ein Ziel vor Augen: seine Frau wiederzufinden. Die Gelegenheit ergibt sich für den in Fesseln Geschlagenen schneller als erwartet, als er vom früheren Zahnarzt und jetzigen Kopfgeldjäger Dr. Schultz (Christoph Waltz) befreit wird, damit er ihm bei der Identifikation steckbrieflich gesuchter Verbrecher behilflich sei. Zum Dank will Dr. Schultz ihn zum Kopfgeldjäger ausbilden und ihm helfen, seine Frau ausfindig zu machen. Die Zeit von Django Unchained ist gekommen!
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

„Django Unchained“ ausführlich zu rezensieren, geht nicht ohne zu spoilern.
Der Vergleich zu „Inglourious Basterds“ drängt sich auf, in beiden Filmen nutzt Tarantino reale geschichtliche Unmenschlichkeiten als Antagonisten für ein furioses Actionfeuerwerk und in beiden Filmen huldigt er dabei persönliche Lieblingsfime, ja er setzt sie sogar neu auf. Während „Inglourious Basterds“ allerdings trotz leichter Abzüge durch die Präsenz von Schweiger und Kruger bestens funktioniert und eine verschachtelte, multilinguale Orgie aufbietet, die konsquent aufs große Finale zusteuert, ist „Django Unchained“ leider in allen Bereichen eine glatte Kante schwächer als der Nazislasherfilm und findet darüberhinaus nie zu einem vernünftigen Erzähltempo.

Das große Ziel vor Augen

„Django“ fängt bemüht an, ruht sich extrem stark auf Christop Walz‘ Exzentrik aus, der mit seiner schräg-coolen Art als deutscher Zahnarzt Dr. Schulz schnell die Lachmuskeln des Publikums aktiviert. Nebenbei werden noch ein paar rassistische Sklavenhändler brutal zugerichtet und Django selbst eingeführt — ein cooler, aber für Tarantino eigentlich zu glatter und … ja, gewöhnlicher Protagonist. Schnell werden beide zum ungleichen Paar der Kopfgeldjäger, was in einem trotzdem langen Schnelldurchlauf durchexerziert wird. Viel Bum-Bum und nette One-Liner von Walz, das große Ziel immer vor Augen: Es soll eine Sklavin namens Broomhilda gerettet werden, die Djangos heißgeliebte Frau ist, diese befindet sich aber im Besitz des fiesen Sklavenhälters Calvin Candie (Leonardo DiCaprio). Bis dahin werden noch mehr Südstaatencowboys erschossen und im Grunde ist es auch klar, dass auch die Begegnung mit dem großen Calvin Candie in einem gigantischen, tarantinoeskem Blutrausch enden wird.

Kein Klimax-Gefühl

Tut es auch. Problem nur: Danach hätte eigentlich gut sein müssen. Doch auch wenn der Oberbösewicht Candie ebenso wie Dr. Schulz im Getümmel stirbt, geht die Geschichte von Django noch gefühlte 40 Minuten weiter und verpasst nun komplett den Moment des gelungenen Abschlusses. Stattdessen ist man über den Klimax des Films hinaus und verweilt in einer merkwürdigen Unbefriedigung, die nicht durch die glatte Coolness Djangos, nichtmal durch einen Cameo-Auftritt von Tarantino höchstselbst entschädigt werden kann. Ich sprech es aus: Man vermisst den von Waltz gespielten Dr. Schulz! Der liegt irgendwo, nicht näher beleuchtet tot in der Wohnung vom ebenfalls toten Oberbösewicht und fehlt an allen Ecken und Enden, auch wenn er im Prinzip auch nur eine zum Protagonisten umgedrehte, bärtige Hans-Landa-Version ist, der nicht halb so großartige Sprüche vom Stapel lässt wie der SS-Obersturmführer aus „Inglourious Basterds“. Was nach dem verpassten Klimax folgt, ist die Happy End-Auflösung der Sklavenliebesgeschichte, die von blutigen Schusswechseln im Sekundentakt unterlegt ist. Und seit wann sind in Tarantinofilmen eigentlich unüberraschende Happy Ends erlaubt?

Hang zum Lacherphishing

Man sollte mich nicht falsch verstehen, „Django“ ist kein schlechter Film. Die Dialoge sind immer noch überdurchschnittlich, sich in Coolness überbietend. Wir haben wunderbare Gewaltexzesse und Christoph Waltz. Aber mehr eigentlich auch nicht. Und das verliert dann doch deutlich im Vergleich zu „Inglourious Basterds“, welcher wiederum im Vergleich zum Frühwerkdoppel („Reservoir Dogs“ + „Pulp Fiction“) schon kein Meisterwerk darstellt. Außerdem sind viele Dinge an „Django“ sogar gelinde gesagt misslungen. Der Musikeinsatz ist jetzt beileibe zu pseudocool, zu „Ich bin Tarantino, ich muss jetzt coole Musik bringen“ und verdammt nochmal was hat Chart-HipHop in einem Westernfilm verloren? Und das mehrmals?! Schlimm auch der verschenkte Jonah Hill, in der eigentlich lustigen, aber viel zu langen und dadurch überspannten Ku Klux-Klan-Szene. Allgemein hat der Film einen ungewohnt indezenten Hang zum komödischen Lacherphishing. Am schlimmsten aber, ich wiederhole mich gerne, die langatmige, nicht den Takt treffende Erzählweise und das Ende, das eben genau weil es ein breites Publikum mit einem blutexzessiven Happy End befriedigen will, unbefriedigend daher kommt, für die Zuschauer, die noch die Hoffnung haben, dass Tarantino wieder der alte Pulp Fictionist von damals wird. Leider ist „Django Unchained“ sogar in sämtlichen Belangen einen Rückschritt gegenüber „Inglourious Basterds“.

Achja: Der schwächste Quentin-Tarantino-Film aller Zeiten.

5/10

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