Die Farbe Lila

Die Farbe des Sentimentalisus: Der Tiefpunkt Spielbergs Karriere.

Originaltitel: The Color Purple
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 1985
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Menno Meyjes
Produktion: Steven Spielberg, Kathleen Kennedy, Frank Marshall, Quincy Jones
Kamera: Allen Daviau
Montage: Michael Kahn
Musik: Quincy Jones
Darsteller: Oprah Winfrey, Whoopi Goldberg, Magaret Avery, Danny Glover, Laurence Fishburn u.A.
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 148 Minuten

“Die Farbe Lila” erzählt die (…) Lebensgeschichte von Celie, einer schwarzen Frau im armen, ländlichen Süden Amerikas. Zur Heirat mit ihrem gewalttätigen Ehemann gezwungen, verschließt sie sich mehr und mehr gegenüber der Welt. Nur ihr unerschütterlicher Glaube an Gott lässt sie ihr Leid und ihre Verzweiflung ertragen – bis sie durch die Freundschaft zu zwei außergewöhnlichen Frauen ihre Selbstachtung und damit den Weg ins Leben zurückfindet.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

1985 gab es in der Filmografie Steven Spielbergs noch kein „München“ und auch noch kein „Schindlers Liste“, genauso wenig wie ein „Der Soldat James Ryan“. Mit seinen kommerz-affinen Leinwandmärchen á „E.T.“, „Der weiße Hai“ oder „Indiana Jones“ blieb er dem Beweis wirklich ernsthafte Thematiken und Stoffe würdig umsetzen zu können noch schuldig. Deshalb könnte man den frenetisch gefeierten und mit 11 Oscarnominierungen bedachten „Die Farbe Lila“, als Verfilmung einer mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Romanvorlage durchaus als eine Art Wendepunkt in Spielbergs Regisseurkarriere ansehen — Muss man aber nicht, denn tatsächlich klebt noch deutlich der Geist seiner Popkultur-Junkcinema-Filme an dem Werk, der ihn letztlich zu einem gescheiterten Kitsch-Feuerwerk verkommen lässt.

Missstände aus schwarzer Bevölkerung selbst heraus

„Die Farbe Lila“ zeigt fast ausschließlich eine geschlossen afro-amerikanische Gesellschaft, die in sich gescheitert ist. Von Gewalt, Patriarchismus, Machismo und inzestuösen Übergriffen gezeichnet, zeigt sich ein deutlich schlechtes Bild, der afro-amerikanischen Société in den Frühjahren des 20. Jahrhunderts – also mehr oder weniger unmittelbar nach der Unabhängigkeit der schwarzen von der weißen Bevölkerung. Einige Rezipienten wollen in der sozialen Verwahrlosung der Schwarzen Anzeichen erkannt haben, dass diese durch die weiße Bevölkerung hervorgerufen wurde. Das ist eine niedliche, genauso wie aus der Luft gegriffene Interpretation — Tatsächlich liefert „Die Farbe Lila“ null Anzeichen, die diese Vermutung stützt. Da dieser soziale Downfall zudem sogar in einer wirtschaftlich florienden Nation, in afroamerikanisch-selbstverwalteter ruraler Community geschieht, macht eher den Eindruck, diese Missstände seien scheinbar von selbst aus der „primitiven Unfähigkeit“ der schwarzen Bevölkerung eine fortschrittliche und funktionierende Gesellschaft aufzubauen, entstanden.

Fürchterliche Charaktere(ntwicklungen)

Oprah Winfrey und Whoopi Goldberg feierten ihr Doppeldebüt auf der ganz großen Leinwand und fügen sich dem Willen ihres Regisseurs, indem sie die ihnen zugedachten Part mit solider Schauspielkunst ausfüllen — dem ist kein Vorwurf zu machen. Goldberg als Miss Celie gibt die infantile Protagonistin, Winfrey die rebellische Pöbelbraut. Alle Figuren sind deutlich stereotypisch geschrieben, am schlimmsten sind die Männerfiguren geraten, die fast durchgehend peinlichst offensichtliche Macho-Arschlöcher darstellen. Und dann gibt es ja noch Shug Avery, die erfolgreiche Sängerin, die von den Männern geliebt und respektiert wird und überraschenderweise eine Liebe zur „Hässlichen Entlein“-Protagonistin entwickelt, allerdings erst nachdem sie die Protagonistin bei der ersten Begegnung lachend, mit den Worten „Du bist schrecklich hässlich“ begrüßt — nein, die Charakterentwicklungen sind nicht wirklich nachvollziehbar.
Genausowenig, wie Miss Celies Schwester, die nachdem die beiden Schwestern im Kindesalter gewaltsam voneinander getrennt wurden, auf einmal in Afrika lebt und dort Aufbauarbeit leistet. Und wie kommt sie nach Afrika? – Vielleicht steht es ja im preisgekrönten Roman. Für die Geschichte des Films ist dieser Nebenstrang sowieso von unerheblicher Wichtigkeit, immerhin ermöglicht er aber den kitschigen Sehnsuchtseffekt und schlägt den Boden zum Finale des Films, das sich anschickt die Tränendrüsen der Zuschauer vor neue Herausforderungen zu stellen.

Schlimme Komödieneinsprengsel

Den größten Vorwurf den sich „Die Farbe Lila“ machen muss, ist dass er zu keinem Zeitpunkt weiß was er will, geschweige denn wie er es stilistisch einfangen will. Der Film hat eine scheußlich inkohärente Konsistenz aus ernsthaften Drama-, prätentiösen Gefühlskino-, sowie völlig unnötigen Komödienelementen. Die klischeebehafteten Männer, die zuvor noch die gefährlichen, inhumanen Antagonisten sind, sind auf einmal die lustigen Hausmänner, die die profansten Alltagssituation wie dem Finden einer Krawatte oder dem Kochen ohne ihre Frau nicht geregelt bekommen. Wie lustig.
Besonders geistreich auch in einem Frauenrechtsfilm eine rassistische weiße Frau, die nicht Auto fahren kann zu zeigen und ihre Unfähigkeit auch mehrere Minuten zelebrieren darf. Zum Brüllen. Ist Spielberg da echt nichts besseres eingefallen, wenn er schon unbedingt seinen ambitionierten Film mit humoristischen Elementen verwässern muss?

Sentimentalism again and again

Ich könnte noch stundenlang über Spielbergs „Die Farbe Lila“ herziehen. Über den Vater des von Danny Glover verkörperten Unmensch-Patriarch, der als kleiner, hellhäutigerer, frecher Opa, nicht nur aus rein physiognomischer Hinsicht total unpassend besetzt ist zum Beispiel, aber vor allem über den ekligen Sentimentalismus des Spielbergsschen Werkes (Ja, ich bin wahrlich kein Fan von dem Mann), der in „Die Farbe Lila“ seinen absoluten Höhepunkt findet und so diesen Film zum Tiefpunkt der, oftmals wohl etwas zu ambitionierten Karriere Spielbergs macht.

1/10

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