Después de Lucía

Mobbing-Drama ohne TV-deutsche Formelhaftigkeit.

Originaltitel: Después de Lucía
Alternativtitel: After Lucia
Produktionsland: Mexiko
Veröffentlichungsjahr: 2012
Regie: Michel Franco
Drehbuch: Michel Franco
Produktion: Moises Zonana
Kamera: Chuy Chávez
Montage: Antonio Bribiesca Ayala, Michel Franco
Darsteller: Tessa Ía, Hernán Mendoza, Gonzalo Vega Sisto, Tamara Yazbek Bernal, Paloma Cervantes, Juan Carlos Barranco, Francisco Rueda, Diego Canales
Altersfreigabe: FSK /
Laufzeit: 93 Minuten

Mit dem Verlust eines geliebten Menschen müssen die Protagonisten im neuen Film des Mexikaners Michel Franco (Daniel & Ana) umgehen. Después de Lucia erzählt von einem Vater und seiner Tochter, die nach dem Tod der Mutter einen Neuanfang wagen. Sie wandern nach Mexiko aus, um sich dort den Wunsch nach einer besseren Zukunft zu erfüllen. Doch die Realität ist ernüchternd, denn die Tochter wird wegen ihres guten Aussehens schnell zum Mobbingopfer ihrer Mitschüler.
Quelle: Critic.de

Kritik:

Michel Francos Film, der 2012 in Cannes die Un-Certain-Regard-Auszeichnung erhielt, zeigt mexikanische Upper-Class-Jugendliche beim Partys feiern, quatschen und Austauschen erster sexueller Erfahrungen. Der Haken daran ist, dass da der Körper eines jungen Mädchens gedemütigt am Boden liegt. „Después de Lucía“ ist ein Mobbing-Drama, jedoch weit entfernt von TV-deutscher Formelhaftigkeit. Es ist ein aufwühlendes Drama, das von seinen semidokumentarischen Bildern angetrieben wird.

Zuschauer als Mitwisser

Die Kamera agiert distanziert, wird nie von Close-Ups unterbrochen, sondern hält immer Abstand zu seinen Figuren. Dadurch erreicht Franco den Effekt, dass der Zuschauer hier zum Mitwisser wird. Beeindruckenderweise stellt sich tatsächlich das Gefühl ein, dass an diesem Film nichts gespielt ist. Franco generiert aus improvisiertem Spiel seiner jugendlichen Schauspieler und einem Höchstmaß strenger Kamera-Realität eine Authentizität, die die recht klassische Demütigungsspirale des Films so bedrückend macht.

Keine Lösungswege

Der Film zeigt, dass es für Mobbing keinen Grund, sondern einzig einen Anfang benötigt. Alejandra ist ein schönes, nettes und von den Mitschülern gemochtes Mädchen. Eine peinliche Sex-Video-Affäre, die Alejandra nicht einmal verschuldet hat, bringt jedoch den Stein ins Rollen und provoziert den point of no return. Von nun an wird Alejandra von der ganzen Schule gemobbt und die Grausamkeiten werden immer entmenschlichender. Eine präzise Themenabend-Analyse des Mobbingteufelskreis ist aber nicht das Ziel von Francos Film.

Vielmehr ist er ein geschicktes Spiel mit Zuschauererwartungen und verbindet geschickt die Mobbingexzesse mit der Vorgeschichte der verstorbenen Mutter, um Gedankenexperimente bishin zu einem alternativ-auslegbarem Ende zu gewährleisten. Daraus dass am Ende des Mobbings immer jemand tot am (Meeres-)Boden liegen muss, will sich „Después de Lucía“ jedoch nicht ausnehmen, aber vielleicht hätte der Vortrag eines Lösungsweges auch nicht zur Gnadenlosigkeit des Films gepasst.
„Después de Lucía“ ist ein unbedingt empfehlenswerter Independent-Film, der sich auf atemberaubende Weise mit dem Thema Mobbing auseinandersetzt, ohne diesem eine wirklich neue Erkenntnis hinzufügen zu wollen.

7/10

2 thoughts on “Después de Lucía

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