Der weiße Hai

Zwischen B-Movie und Hitchcock: Spielberg verschuldet die Entstehung des Blockbusters.

Originaltitel: Jaws
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 1975
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Peter Benchley, Carl Gottlieb
Produktion: David Brown, Richard D. Zanuck
Kamera: Bill Butler
Montage: Verna Fields
Musik: John Williams
Darsteller: Roy Scheider, Robert Shaw, Richard Dreyfuss, Lorraine Gary, Murray Hamilton, Carl Gottlieb
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 119 Minuten

Die Überreste einer völlig zerfetzten Leiche werden am Strand vom Amity angespült. Der neue Polizeichef Brody (Roy Scheider) vermutet schon bald eine Haiattacke, doch der Stadtrat weigert sich die Strände zu sperren. Der Weisse Hai tötet indes weiter und erst viel zu spät reagiert Bürgermeister Vaughn (Murray Hamilton). Er heuert den Haifänger Quint (Robert Shaw) an, der sich zusammen mit Brody und dem Meeresbiologen Matt Hooper (Richard Dreyfuss) auf den Weg macht die Bestie zu töten.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

„Jaws“ von Steven Spielberg hat so manches Unheil über die Welt gebracht. Blockbusterkino zum Beispiel, die Sequel-Wirtschaft ebenso. Und auch, dass der Carcharodon carcharias, besser bekannt unter dem deutschen Verleihtitel von „Jaws“ mittlerweile als vom Aussterben bedroht gilt, schreibt man zu großen Teilen der öffentlichen Meinung über Haie zu, die Spielbergs Film ausgelöst hat. Bei all den Unannehmlichkeiten, die Spielbergs großer Wurf mit sich brachte, darf man jedoch nicht vergessen, dass „Der Weiße Hai“ ein äußerst gelungener Thriller ist, wenn auch der Hype, ihn als einer der besten Thriller der Filmgeschichte darzustellen, sicherlich übertrieben ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass viele Filmkritiker mit diesem Film aufgewachsen sind.

„Damokles-Guillotine“

Spielberg staffelt seinen Fight mit der Urgewalt der Natur in zwei Hälften. Eine, in der die Gefahr des Hais einer „Damokles-Guillotine“ gleicht. Sachte schwebt sie über dem Heil der Inselbewohner, aber in regelmäßigen Abschnitten fällt sie auf seine Opfer herab und reißt sie in den direkten Tod. Hier wird das helle Postkartenmotiv des himmelblauen Meeres als Horrorfilmmechanismus missbraucht, denn es ist unmöglich zu sehen, was unter der Meeresoberfläche vor sich geht. Die Bilder planschender Kinder werden so mit dem Einsatz bedrohlicher Musik schnell zu vergeblichen Suche eines unsichtbaren Feindes. Hierbei bedient sich der Film der sehr einfachen Spannungserzeugung, die drohende Gefahr aus der Sicht des sich sorgenden Familienvaters Chief Brody zu erzählen.

Menschlicher, überlegener Gegenschlag

Die zweite Hälfte stellt den Gegenschlag der Menschen gegen die Natur dar. Familienvater Brody geht mit dem draufgängerischen Redneck Quint und dem Hai-Geek Hooper auf große Jagd. Auch wenn Spielberg hier das gesamte Motiv-Spektrum abdeckt (Brody aus Pflichtbewusstsein, Quint aus Lust an der Herausforderung, Hooper aus Leidenschaft zur intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Tier), wird die Besessenheit an der Herausforderung in seinem „Duel“ zutreffender und auch um einiges spannender umgesetzt.

Unterhaltsam ist „Jaws“ durchweg, er vermag es aber nicht die Unangreifbarkeit des Zufluchtsortes Festland in Zweifel zu bringen, weswegen den ganzen Film über eine Wissenheit menschlicher Überlegenheit mitschwingt, die den Höchstgraden an zu erreichendem Thrill entgegenwirkt und die Intensität des Finales abschwächt.

The first blockbuster

Irgendwo zwischen B-Movie und Hitchcock erzeugte Spielberg etwas völlig Neues. Einen Blockbuster-Film. Notgedrungen durch die Schwierigkeit des Drehs entstanden eine der besten Momente des Films und eine der kultigsten in der Filmgeschichte. Unterhaltsam wie eh und je, aber in seiner Gesellschaftskritik natürlich rudimentär. Gegenüber „Duel“ sicherlich der schwächere Film, dennoch wird „Jaws“ seinem Kultstatus im U-Film gerade so gerecht.

7/10

3 thoughts on “Der weiße Hai

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.