Der Marsianer — Rettet Mark Watney

Saving Space Pirate Ryan.

Originaltitel: The Martian
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2015
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Drew Goddard (nach dem gleichnamigen Roman von Andy Weir)
Musik: Harry Gregson-Williams
Kamera: Dariusz Wolski
Montage: Pietro Scalia
Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara, Michael Peña, Aksel Hennie, Sebastian Stan, Jeff Daniels, Chiwetel Ejiofor, Kristen Wiig, Sean Bean, Donald Glover, Mackenzie Davis, Frederik Pleitgen, Eddy Ko
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 144 Minuten

Der Mars: eine Einöde aus unendlichen Weiten, kilometertiefen Schluchten und Ehrfurcht gebietenden Gebirgsmassiven – vor allem aber rot und staubig und nicht zum Leben für uns Menschen geeignet. Und doch versucht der NASA-Astronaut Mark Watney (Matt Damon) hier nicht nur zu überleben, sondern es sich auch so gut es geht einzurichten. Denn auf baldige Rettung darf er nicht hoffen: Watney war Teil der Crew von Ares 3 und damit Mitglied einer Mars-Expedition, die abgebrochen werden musste, als die Crew-Mitglieder, von einem gewaltigen Sandsturm überrascht, die Flucht zurück zur Erde antraten. Watney wurde bei der ungeplanten Evakuierung unter Leitung des weiblichen Commanders Melissa Lewis (Jessica Chastain) als vermeintlich tödlich verletzt zurück gelassen. Doch Watney hat überlebt. Nicht nur gelingt es ihm aufgrund seiner Fähigkeiten als Botaniker und Maschinenbauingenieur im vor der Evakuierung eingerichteten Mars-Habitat Sauerstoff zu erzeugen und Nahrung anzupflanzen, sondern durch seine Maßnahmen auf sich aufmerksam zu machen. Denn der NASA-Zentrale bleibt nicht unentdeckt, was sich auf dem Mars abspielt. Also organisiert NASA-Chef Teddy Sanders (Jeff Daniels) zusammen mit Flugdirektor Mitch Henderson (Sean Bean) und dem Leiter der Mars-Mission Vincent Kapoor (Chiwetel Ejiofor) eine Rettungsmission mit den übrigen Mitgliedern der Ares 3, wissend um Dauer des Einsatzes und die ständige Gefahr, in der sich Watney befindet. Doch dessen Überlebenswillen ist ungebremst. Und so begibt er sich in einem Rover auf die über drei tausend Kilometer währende Reise voller Hindernisse zum Schiaparelli-Krater, wo ihn die Ares 4 abholen soll – in vier Jahren …
Quelle: moviepilot.de

Kritik:

„The Martian“ von Ridley Scott, ein Film, der den ein oder anderen Oscar mitnehmen wird und dann in der Versenkung verschwinden wird. Man kann den Film natürlich als Summe seiner Einzelteile konsumieren und an den hochwertigen CGI-Effekten und den braven, humorvollen Tönen dieses Weltraum-Tagebuchs zwei nicht unterhaltungslose Stunden zubringen, aber viel mehr eben auch nicht. Ridley Scott schuf einst mit „Alien“ und „Blade Runner“ Klassiker des Sci-Fis, die trotz Massenkompatibilität auch für die Filmwissenschaft, samt philosophischer Diskurse, interessant waren. Hiermit legt er einen belanglosen Film vor. Ein ohnehin schon erfolgreicher Roman wird zu einem trivialen Science-Fiction-Blockbuster ausgeschlachtet, der sich dann auch noch die Fragen gefallen lassen muss, wie er sich so leichtfertig utopisch, vollkommen menschenunkritisch und NASA-anbiedernd ausfallen kann.

Eine amerikanische Vision

Die Zeit der großen Weltraumutopien war im Kino eigentlich die Zeit des Kalten Krieges, als beide Seiten — Osten wie Westen — ihre Weltanschauung in eine ganzmenschheitliche Siegesvision im Weltaum hineinprojizierten. „The Martian“ tut das auch. Wohl gar nicht so beabsichtigt, denn er gibt zumindest vor, sich eigentlich mehr für das Überleben des einzelnen menschlichen Individuums zu interessieren als für gesellschaftliche Systeme, trotzdem zeigt Scott hier einen amerikanischen Film mit amerikanischen Helden und amerikanischen Idealen. Er zeigt zudem eine Welt, die maxmal 10 Jahre nach der Jetztzeit angesiedelt ist, denn auf der Straße fahren immer noch dieselben Autos wie 2016 und auch modisch hat sich nicht viel getan. Die einzige Ausnahme ist die Leistung der Menschheit, den Mars erreicht zu haben, mit ihm kommunizieren zu können, ihn zu erforschen und (teilweise) belebbar zu machen. Die menschliche Selbstgenügsamkeit, die sich durch den gesamten Film zieht, ist hier auch eine amerikanische. Das offenbart sich vor allem daran, dass der „Markenname“ NASA hier immer einseitig wie ein Werbefilm hochgehalten wird. Die NASA wird also schon jetzt für Leistungen gefeiert, von denen nicht einmal klar ist, ob sie technisch jemals möglich sein werden.

Matt Damon reenacted

Und das ist der kleine Unterschied zu einem amerikanischen Propaganda-Film, der eine erschreckende Ähnlichkeit mit „The Martian“ hat, nämlich „Saving Private Ryan“. Während dort ein amerikanischer Private im Zweiten Weltkrieg gerettet werden musste, weil seine Brüder im Krieg gefallen waren, also die Leistung zwar fiktiv, aber in einer realen Vergangenheit angesiedelt ist und auf reale Ereignisse anspielt, ist der Astronaut Mark Watney und seine Rettungsaktion eine reine Behauptung, die trotzdem ein real-existierendes Unternehmen, die NASA, ausschmückt. „The Martian“ dimensioniert das James-Ryan-Konzept aber auf eine gesamte Menschheit, statt einer sich im Krieg befindlichen Nation, ohne dabei aber weniger hurra-amerikanisch rüberzukommen. Lustigerweise werden beide Figuren, James Ryan wie Mark Watney, vom selben Schaupieler, Matt Damon, gespielt.

Gemütliche Unterhaltung

Jetzt ist „The Martian“ nun auch kein explizit politischer Film wie es ein Kriegsfilm á „Saving Private Ryan“ immer ist. Er behauptet auch nicht, besonders philosophisch sein zu wollen. Ridley Scott will hier einen gemütlichen Unterhaltungsfilm machen, der nebenbei noch ein paar Oscars gewinnen soll. Nur macht der Film auf einer unverkopften, filmspaßorientierten Ebene immer noch sehr wenig aufregende Dinge. Matt Damon läuft auf durch eine hübsch animierte Mars-Oberfläche, die realiter ein Green-Screen-Studio gewesen sein dürfte, lässt sich von der Maske mit ein paar Verletzungen bemalen, die er routiniert runter spielt und spricht dann augenzwinkernd ein paar smarte Nerd-Weisheiten in die Kamera, wie man auf dem Mars überleben könne. Allgemein ist das dramaturgisch nicht sehr kreativ gelöst, seine inneren „Konflikte“ darzustellen, indem er ein Videotagebuch führt. Immerhin ist das bei der höchsten vorstellbaren Isolation, alleine auf einem Planet zu sein, zumindest nicht wirklich unrealistisch. Was an diesem Film wirklich unrealistisch ist — ich schätze es wird eine Menge sein — überlasse ich hingegen Raumfahrt-Experten. Für mich ist es nicht weiter relevant.

Spaziergang statt Odyssee

Wichtiger ist das dramaturgische Gelingen des Filmes, wo sich gut ein Vergleich zum Oscar-Konkurrenten „The Revenant“ anstellen lässt, welcher zurecht die wichtigen Oscar-Kategorien anstelle von „The Martian“ abräumen wird. „The Revenant“ legt sein ganzes Gewicht in das Erreichen physischer Erfahrbarkeit, es wird kaum und wenn dann unverständlich geredet, „The Martian“ macht genau das anders und macht den Kampf gegen die Natur zu einer witzigen Selbstdarstellung Mark Watneys. Während in „The Revenant“ nur der Revenant Hugh Glass selbst überleben und sein Schicksal einfordern kann, wartet Martian Watney den ganzen Film über auf seine Rettung, die den ganzen Film über nie wirklich als gefährdet wahrgenommen werden kann. Innerhalb der Narration wird zwar erwähnt, die Rettung Watneys dauere Jahre und sei lebensgefährlich für die gesamte Mannschaft, tatsächlich wirkt sie aber letztlich so lässig wie ein Spaziergang. Genau dieses Bild des Spaziergangs ist es auch, das „The Martian“ vom Menschen im Weltall zeichnet.

4/10

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