Conjuring — Die Heimsuchung

Eine Checkliste des Horror-Kitschs.

Originaltitel: The Conjuring
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2013
Regie: James Wan
Drehbuch: Chad Hayes, Carey Hayes
Produktion: Rob Cowan, Tony DeRosa-Grund, Peter Safran
Kamera: John R. Leonetti
Montage: Kirk M. Morri
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston, Shanley Caswell, Hayley McFarland, Joey King, Mackenzie Foy, Sterling Jerins
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 112 Minuten

‘Endlich ausreichend Platz!’ sagt sich die Großfamilie um Mutter (Lili Taylor) und Vater (Ron Livingston), als sie das abgelegene Farmhaus in New England beziehen. Doch anscheinend sind sie nicht allein: Eine fremde und zunehmend böse Macht wohnt mitten unter ihnen und macht ein normales Leben unmöglich. In ihrer Verzweiflung wenden sie sich an das renommierte Pärchen Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga), die als Fachleute auf dem Gebiet der Geisteraustreibung gelten. Doch ihre anfängliche Souveränität weicht der puren Angst, als sie bemerken, mit welch bösen Kräften sie es hier zu tun haben.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Für viele galt „The Conjuring“ als spannendster Film 2013 und als Horrorfilmhighlight des Jahres. Tatsächlich rührt James Wan, der 2004 mit „Saw“ einem der innovativsten Horrorfilme der vergangenen Dekade schuf (der dann aber ironischer Weise aufgrund ausufernder Sequelisierung zum Running Gag fehlender Innovation wurde), mit „The Conjuring“ einen Brei an altbekanntem Horror-Kitsch zusammen. Das Timing mag zwar routiniert sein, aber weder Plot noch Machart erfinden hier irgendwas neu. Wer „The Conjuring“ als neuen Horrorfilmklassiker erwartet hatte, wird bitter enttäuscht werden.

Horror-Checkliste

Knatschende Türen und Fenster? Check. Spooky Kinderspielzeug? Check. Treppen und Keller? Check. Verlassene Häuser am See? Check. Dämonen und Geister? Check. Creepy Puppe? Check. Sterbende Haustiere? Check. Angry Birds? Check. Eine glückliche Familie? Check. Noch eine glückliche Familie? Check. Viele minderjährige Töchter? Check. Nach einer „wahren Begegebenheit“? Check.
Das könnte man jetzt ewig so weiter führen. Selbst die Dialoge sind durchschaubar und nur darauf aus, ständige Instant-Spooks abzufeuern, sodass sich der Film über weite Strecken wie eine Achterbahn auf einem Rummelplatz anfühlt: In regelmäßigen, durchrhythmitisierten Abständen gibt es einen kleinen Schock, bis es dann endlich zum Showdown kommt.

Dramaturgisch vorhersehbar

Wan hat einen äußerst konservativen Gruselfilm gedreht, der vom Drehbuch her ins Kabel-Eins-Nachtprogramm gehört. Über gruseltechnische Regie-Skills können sich jetzt Horrorfilmnerds unterhalten, inwiefern Wan hier große Kinokunst abliefert, für mich ist „The Conjuring“ aber ein äußerst berechenbarer Film und da ist es auch nebensächlich wie sehr sich die Marke „James Wan“ von Billighorrorfilmern abhebt, die tatsächlich im Nachtprogramm von Kabel Eins laufen. Im Gegensatz zu — nennen wir — sie „atypischen Horrorfilme“ á „Don’t Look Now“, „Shining“ oder „Possession, die dramaturgisch unberechenbar sind, ist einem erfahrenen Kinogänger der gesamte Plot von „The Conjuring“ schon im Vornherein klar und es entsteht ein spannungsleeres Ärgernis.

Erzchristliche Geisterjäger

Den Vogel total abschießen tut aber das religiöse Selbstverständnis, das der Film mit sich führt. Die wahre Geschichte, die der Film nacherzählen will, basiert auf Erzählungen der erzchristlichen Geisterjäger Ed und Lorraine Warren. Einmal im Film sagt ein Pfarrer zu Ed Warren, die Bereitstellung eines Exorzismus könnte schwierig werden, da die betroffene Familie nicht getauft sei. Ein bisschen so ist auch das Verhältnis zwischen Publikum und Film. Wie befremdlich mag es auf fremde Kulturkreise wirken, dass die „wahre Geschichte“ die „The Conjuring“ erzählen will, eben nur dann wahr ist, wenn man auch das Christentum als wahr anerkennt. Genau das ist der gefährliche Doppelboden des Filmwerkes, das zudem noch für ein gerade zu kitschiges Ende sorgt. Wie pedantisch eine solche Lesart bei einem Unterhaltungsfilm auch immer sein mag …

Fazit

James Wan erfindet hier nichts neu und fällt, dabei sich bei allen Horrorfilmreferenzen und einer unhaltbaren historischen Prämisse zu verbeugen, um.

3/10

One thought on “Conjuring — Die Heimsuchung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.