Cattolica

Konstruiert im Stile schlechter Kriminalfilme.

Originaltitel: Cattolica
Produktionsland: Deutschland
Veröffentlichungsjahr: 2004
Regie: Rudolph Jula
Drehbuch: Rudolph Jula
Produktion: Till Derenbach, Joachim Ortmanns, Carl-Ludwig Rettinger, Rolf Schmid
Kamera: Axel Henschel
Montage: Gergana Voigt
Musik: Armin Pommeranz
Darsteller: Merab Ninidze, Giacinto Ferro, Lukas Gregorowicz
Altersfreigabe: FSK /
Laufzeit: 86 Minuten

Eine trendige Bar, intensive Blicke zwischen Barkeeper und Gast, ein wenig Geplänkel, und dann eine gemeinsame Nacht. Stefan (Lucas Gregorowicz) nimmt das Leben, wie es kommt, macht sich nicht allzu viele Gedanken, und tut was er will, auch gegen Konventionen. Seine nächtliche Begegnung mit dem stillen Martin (Merab Ninidze) beginnt für ihn in Rudolph Julas Drama „Cattolica“ als amouröses Abenteuer und führt ihn schließlich auf völlig unbekannte Wege…
Quelle: Filmstarts.de

Kritik:

Martin findet nach dem Ableben seiner Mutter heraus, dass er einen Bruder hat, den seine Mutter mit einem italienischen Liebhaber gezeugt hat und dies bis zu ihrem Tode verheimlicht hat. Er macht sich auf, findet seinen Bruder Stefan, der sich als homosexuell und lebensfroh entpuppt. Zusammen mit ihm beginnt er nun die Suche nach Stefans Vater, die sie bis nach Italien und das namensgebende Städtchen „Cattolica“ führt …

Ambiguität des Filmtitels

Der Name „Cattolica“ ist durchaus klug gewählt. Zum einen besteht die namentliche Nähe zum italienischen Wort für katholisch, die eine christliche Position und Konfrontation mit vom Film behandelten Sachverhalten wie Homosexualität und Ehebruch herausfordert, andererseits ist das kleine italienische Städtchen auch eine Touristenhochburg und eine sommerliche Urlaubsromanze war es schließlich auch, die zur Affäre führte, die das Protagonistenduo auf ihrer Recherchenreise zu rekonstruieren gewillt ist.

Sehr konstruierte Geschichte

Man muss schon zugeben, dass die Geschichte, die der Film erzählt ziemlich unwahrscheinlich ist. Kinder mal eben mittels Affäre in die Welt zusetzen ist auch allgemein eher etwas, was man dem männlichen Geschlecht zuschreibt. So kommt der Film im Laufe der Geschichte mehr und mehr arg konstruiert vor. Zum Ende hin lüftet sich zwar alles in ein sinnergebendes Licht, viele wichtige Punkte bleiben aber im Dunkeln. Die Mutter, die nur aus dem Off in Form ihres letzten Briefes zum Zuschauer sprechen darf, bleibt den gesamten Film über völlig uncharakterisiert und ganz im Stile schlechter Kriminalfilme erweisen sich dich wenigen spärlichen Hinweise, die das Duo besitzt (Fotos, Stein, Name des Vaters) tatsächlich als Schlüssel zum Erfolg, den ominösen Vater wiederzufinden.

Like an ARD-Frühabend-Romanze

Regisseur Rudolph Jula weiß immerhin Italien mit prachtvollen, sommerlichen Postkartenmotiven in Szene zu setzen, verbunden mit dem schematischen, teils arg unrunden Skriptversen und dem entäuschenden Schauspiel der beiden Hauptdarsteller wirkt „Cattolica“ jedoch am Ende des Tages eher wie eine ARD-Frühabend-Romanze, die fehlendes dramaturgisches Niveau mit stimulierendem Urlaubsfeeling kaschieren will. Da passt es, dass Jula dem Film tatsächlich noch einen Nebenstrang verpasst, in dem sich eine Lovestory zwischen Martin und einer Italienerin anbahnt.

Filme sind es, die unglaubliche Geschichten wahr werden lassen und in unserem Kopf oder wenigstens in unserem Herzen als realistisch erscheinen lassen. Das schafft Rudolph Jula bei aller Ambition nicht. Sein Film wirkt nicht nur konstruiert, sondern kann sich auch aus dramaturgischer Sicht nicht entscheidend von Seifenoper-Einheitsbrei abheben. Einzig, dass der Film nie in tiefste Sentimentalitäten ausbricht, muss man „Cattolica“ zu Gute halten.

3/10

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