Bedways

Geblendet vom Sex: RP Kahls Film ist gescheiterter Tabubruch.

Originaltitel: Bedways
Produktionsland: Deutschland
Veröffentlichungsjahr: 2010
Regie: RP Kahl
Drehbuch: RP Kahl
Produktion: Angela Gläser, RP Kahl, Torsten Neumann, Christoph Thoke
Kamera: Fabian Knecht
Montage: Susan Albera, Stephanie Kloss
Musik: Sissimetall
Darsteller: Miriam Mayet, Matthias Faust, Lana Cooper, Laura Tonke
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 75 Minuten

In einem Apartment im winterlichen Berlin treffen sich drei junge Menschen, um einen Film zu drehen: die Regisseurin Nina und die beiden Jungschauspieler Hans und Marie. Das Drehbuch ist kaum ausgearbeitet, vielmehr soll die Handlung aus sich selbst und dem Augenblick heraus erwachsen. Was zunächst wie ein Spiel beginnt, wird zu einem Wagnis aus Verführung, Unsicherheit und vager Kommunikation. Schließlich wird sogar der geplante Filmdreh zur Nebensache, als die drei sich in ein unkalkulierbares Risiko verstricken.
Quelle: Amazon.de

Kritik:

Tabubruch durch Sex: „Im Reich Der Sinne“, „Ich Bin Neugierig“, „Oedipus Orca“, „Die 120 Tage Von Sodom“, „Intimacy“, „Ken Park“. Das sind jetzt Filme, die mir sofort einfallen und Rolf Peter Kahl, Regisseur von „Bedways“ traue ich eigentlich genug Allgemeinwissen zu, um zu wissen, dass ein erigierter Penis auf der Leindwand oder einen Akt der Selbstbefriedigung vielleicht eine Publishersuche nicht besonders erleichtert, aber keine künstlerische Rechtfertigung für einen inhaltslosen Film darstellt. Ja, das hier ist ein Verriss.

Nebulöse Titel

Die Film-im-Film-Regisseurin Nina Bader (Miriam Mayet) will mit ihrem Film wahre Liebe zeigen und zu dieser gehört auch wahrhaftige Darstellung von Sex. Schon früh resümiert ihre Hauptdarstellerin „Dafür, dass Sex nur eine Nebensache sein soll, redest du ganz schön viel davon.„, daraufhin folgt ein Schweigen der Regisseurin. Genauso kann und sollte man auch „Bedways“ verstehen. Der Film drückt seine Genitalien in die Bildmitte und verpackt das Ganze in einem bemüht-experimentellen Rahmen eines Kunstfilms, der in Tageskapitel unterteilt ist, die einen prätentiös-nebulösen Titel haben wie „Flesh Is The Law“ oder „Gott„. Entweder der Film beantwort diese provokativen Kommentare gar nicht oder eben mit sehr sehr viel „Flesh“. Das ist dann die Aussage und der Zuschauer darf die zügellosen Bilder als kunstvolle Paraphrase dieser in den Raum geworfenden Überschriften verstehen. Man kommt schnell dahinter, wie wenig durchdacht RP Kahl hier das Gütesiegel Arthouse-Kino für eine hemmungslose Selbstdarstellung missbraucht.

Eine feige Selbstprojektion

Das ist auch das größte Problem, das ich mit „Bedways“ habe. Es ist eine egozentrische, selbst überschätzende, pseudoexperimentelle Arbeit eines Regisseurs, der fehlendes Talent mit Unkonventionalität übertünchen möchte. RP Kahl will, dass Kritiker im Berlinale-Saal sitzen und eine Frau drei Minuten beim Masturbieren zusehen — Und diese Frau, das ist Nina, die Regisseurin des Films im Film und das ist auch ebenso der Alter Ego RP Kahls.

Am Liebsten würde er wohl selbst dem Publikum in die Kamera masturbieren „Jeder Für Sich Allein Und Die Kamera„, schon klar, nur das darf dann wieder seine Schauspielerin erledigen, die zufällig genau die selben Probleme mit ihrer ihre Kunst missverstehenden Umwelt hat, wie wohl RP Kahl selbst. Es ist eine ziemlich feige Selbstprojektion auf eine Frau, die den Traum von einer Schauspielkarriere mit nackter Haut erkaufen will, die dann noch gekünstelt selbstbewusst und sich rollenuntypisch aggressiv sexuell ausleben darf. Dabei ist sie nichts anderes als das Abbild des Regisseurs RP Kahl, der in seinem Film nur den inhaltsleeren Naturalismus des Sexualaktes zeigen kann.

[Klicken, um Spoiler anzuzeigen]

„Bedways“ ist ein schlechter Versuch, mit einfachsten Mitteln von Zuschauermanipulation, einen provokativen Kunstfilm vorzugaukeln. Der Film ist zudem sehr undynamisch, technisch grausam und spannungslos erzählt und sollte keineswegs als diskutierbaren Kunstversuch angesehen und akzeptiert, sondern einfach boykottiert werden. Nicht ansehen.

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