A Girl Walks Home Alone At Night

Feminismus mit Vampirzähnen.

Originaltitel: A Girl Walks Home Alone At Night
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 2014
Regie: Ana Lily Amirpour
Drehbuch: Ana Lily Amirpour
Produktion: Ana Lily Amirpour, Justin Begnaud, Sina Sayyah
Kamera: Lyle Vincent
Montage: Alex O’Flinn
Darsteller: Sheila Vand, Arash Marandi, Marshall Manesh, Mozhan Marnò, Dominic Rains, Pej Vahdat
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 99 Minuten

In Ana Lily Amirpours erstem Spielfilm A Girl Walks Home Alone at Night streift ein einsamer Vampir durch die Straßen einer heruntergekommenen Stadt.
Quelle: moviepilot.de/em>

Kritik:

„A Girl Walks Home Alone At Night“ heißt der Debütfilm von Ana Lily Amirpours Film, der durchaus Aufmerksamkeit unter Cinephilen erzeugen dürfte, denn der Film kommt mit einer gewissen künstlerischen Kühnheit daher, die durchaus gefallen dürfte. Optisch und atmosphärisch erreicht Amirpour damit große Momente, bleibt erzählerisch aber auf bescheidenem Niveau und vermittelt fragwürdige Moralvorstellungen.

Eine Superheldin mit Kopftuch

Eigentlich verrät uns der Film gar nicht, wo die Stadt ist, in die wir entführt werden. Wir wissen nicht, wie sie heißt, wie groß oder wie bedeutend sie ist, aber wir wissen, dass ihre Läden mit arabischen Buchstaben verziert sind und dass die Frauen in dieser Stadt Kopftücher tragen. Mehrere Interpretationen wähnten die Stadt von „A Girl Walks Home Alone At Night“ im Iran. Meinetwegen schließen wir uns diesen Interpretationen an, aber es ist eigentlich unerheblich, denn Amirpour spielt viel mehr mit der Ästhetik einer nahöstlichen Welt als mit reellen gesellschaftlichen Beobachtungen. Die Stadt ist die Welt. In dieser Stadt scheint alles möglich. Es gibt nur eine Stadt und in dieser Stadt wandeln Frauen nicht mit einer repressiven religiös-politischen Kopfbedeckung herum, eher ist ihre Kopfbedeckung allein auf seine Bildwirkung beschränkt. Das Schwarz des Kopftuchs macht unsere Protagonistin zu einer Art Superheldin. Das Kopftuch erfüllt die Zwecke, die das rotgrüne Kostüm Spidermans oder das schwarze Kostüm Batmans erfüllt. Stil steht hier über der Aussage und das gilt auch für den ganzen Film.

Eraserhead und Mädchenkitsch

Natürlich provoziert der Titel schon eine feministische Lesart. Die Frau, die aus der Konvention ausbricht, von einem Mann nach Hause begleitet zu werden usw. aber hat der Film diesen offenkundigen Männerhass nötig? Ganz reißerisch postuliert Amirpour einen Feldzug gegen die Männlichkeit, geführt mit übernatürlichen Mitteln des Vampirismus. Eine hochstilisierte, militante Femme, die ausschließlich Männer ermordet und dabei möglichst cool und geheimnisvoll wirken soll. Amirpour lässt kein gutes Haar am Mann. In ihrer Stadtwelt scheint es fast nur heruntergekommene, amoralische Arschlöcher zu geben. Dabei ist der Upper schniefende Cyberpunk, der das erste Opfer der Vampirin wird, eigentlich eine total interessante Figur. Zumindest optisch. Vieles bleibt in „A Girl Walks Home Alone At Night“ an seiner optischen Oberfläche. Nein, ich will nicht sagen, dass Amirpour eine engstirnige Feministin ist. Ich habe sie selbst live erlebt und sie kam mir sehr sympathisch rüber, ihr Film ist aber zu einseitig entwickelt. Wäre nicht diese sehenswerte Oberfläche, die an David Lynchs „Eraserhead“ erinnert, wäre der Film im Grunde Mädchenkitsch.

Irgendwann taucht dann doch ein positiver männlicher Charakter auf und es entwickelt sich ein Techtelmechtel, das nicht wirklich tief greift und von der Mysteriosität der Vampirin selbst am meisten begeistert ist. Am Ende lässt Amirpour seinen Zuschauern offen, welchen Female Gaze sie bevorzugen: Die konsequente Gewalt an jedem Mann oder die Ausnahme gegenüber dem lieben Jungen, der dem feministischen Geltungsdrang nicht gefährlich werden kann.

5/10

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