7 Days

Ein kranker Film am rechten Rand: Daniel Grou legitimiert die Todesstrafe.

Originaltitel: Les 7 jours du talion
Produktionsland: Kanada
Veröffentlichungsjahr: 2010
Regie: Daniel Grou
Drehbuch: Patrick Senécal
Produktion: Nicole Robert
Kamera: Jeff Cronenweth
Montage: Valérie Héroux
Musik: Reinhold Heil, Johnny Klimek
Darsteller: Claude Legault, Rémy Girard, Martin Dubreuil, Fanny Mallette, Rose-Marie Coallier
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: 106 Minuten

Wie weit gehst du, wenn jemand deinem Kind Leid zufügt? Diese Frage stellt sich auch Bruno Hamel, als er am Grab seiner Tochter steht. In seiner Trauer kann die Antwort auf diese Frage nur lauten: Über alle Grenzen hinweg! Er fasst den Plan den Mörder seiner Tochter zu kidnappen und ihn sieben Tage für seine Tat büßen und leiden zu lassen. Sieben Tage Folter. Sieben Tage Terror. Sieben Tage, in denen das Opfer zum Täter und der Täter zum Opfer wird.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

Das Kind von Bruno Hamel, die kleine Jasmin, wird entführt, vergewaltigt und getötet. Dann wird der Titel eingeblendet „7 Tage der Vergeltung“. Ab diesem Zeitpunkt hat der Film keine Überraschungen mehr parat. Leider, denn was folgt ist ein perfider Torture-Porn, der sich rhetorisch dort bewegt, wo Rechtspopulisten gerne den Bauernfänger spielen. „7 Days“ ist antihumanistisches bis antihumanes Kino und man sollte sich weit von diesem Machwerk distanzieren.

Lynchjustizrhetorik

Ein paar Logikfehler übersprungen (natürlich lässt sich einfach ein Gefangenentransporter bestechen und natürlich kommt die Polizei später nicht dem offensichtlichen Schwindel auf die Schliche), befindet sich der vermeintliche Mörder des Kindes in einer verlassenen Waldhütte wieder und wird aufs Übelste vom Vater des Kindes gefoltert. Der Zuschauer ist Gast dieser Vorstellung und wird zum Applaudieren bewogen. Es ist ja nur ein Pädophiler, schreit es aus jeder Szene des Films. Mit dieser Rhetorik rechtfertigt der Film eine fast zweistündige unmenschliche Misshandlung jenseits von Justiz und demokratischen Rechtes auf eine zweite Chance. Wo Indizierung eigentlich nie einen Sinn macht, hier hätte ich persönlich Brief und Siegel auf die Index-Setzung gegeben, denn Grous Film ist schlichtweg unmoralisch und der Perversion des Kinderschänders in nichts nachstehend.

Selbst die Polizei ist auf Foltererseite

Die Schändungen, die der Täter erleiden muss, sind von selten erlebter Grausamkeit. Wer also Filme nur aufgrund seines Torture-Entertainments anschaut, wird hier dennoch auf die Kosten kommen. Aber welcher Mensch mit gesundem Menschenverstand tut das schon? Vielleicht ja Daniel Grou, so erscheint es beim Ansehen des unbändigen Vergnügens des Regisseurs seinem Protagonisten beim Foltern zuzusehen und es unter diesem rechtspopulistischen Vorwand zu legitimieren. Gegenstimmen gibt es wenige, diese werden aber schnell per Faustschlag (was für eine Rhetorik!) still gestellt. Selbst der Polizeichef (!) ist ideologisch auf der Seite des kranken Familienvaters.

Todesstrafen-Proklamation

Da scheint ein kanadischer Nachwuchsregisseur den modischen Haneke nicht ganz verstanden zu haben. Als psychologische Studie oder Millieustudie eines Bürgertums etc. eignet sich der Film keineswegs. Er ist eine feige verpuppte Todesstrafen-Proklamation. Alles ist auf eine besonders perverse Torture-Porn-Gallerie angelegt. Natürlich ist der Protagonist — wie könnte es anders sein? — Chirurg.
Sicher könnte man an diesem Film noch die schwach ausgearbeiteten Plotpoints und profillosen Figuren kritisieren, aber diese Kritik wäre nicht Warnung genug vor diesem scheußlichen Machwerk. Und da es sowieso niemandem empfohlen sei, diesen Film anzusehen noch ein Spoiler: Ja, der Kinderschänder ist wirklich der Kinderschänder und die letzten Worte des Films, die sich zwischen Reportern und dem Familienvater abspielen, sind allen Ernstes „Bereuen Sie es?“ „Nein.“ (!) Was für ein mittelalterlicher Film. Was für ein krankes Konstrukt.

Grrrrrrr …

Wieder ein Film, der mich überlegen ließ, ob ich nicht eine Spendenaktion starte, die Geld dafür sammelt, alle DVDs des Films zu kaufen und dem Feuertod zuführen zu lassen. Wieder ein Film, der mich überlegen ließ, die 0/10-Wertung einführen zu lassen. Aber halt, dann wäre ich nicht besser als der Film, denn das wäre in gewissermaßen eine filmrezensorische Todesstrafe. In diesem Sinne: NICHT ANSEHEN!

1/10

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