1941 — Wo bitte geht’s nach Hollywood?

Der Urahne des Autobahnraser-Standard-TV-Radau-Films.

Originaltitel: 1941
Produktionsland: USA
Veröffentlichungsjahr: 1979
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Bob Gale, John Milius, Robert Zemeckis
Produktion: Buzz Feitshans, John Milius
Kamera: William A. Fraker
Montage: Michael Kahn
Musik: John Williams
Darsteller: Dan Aykroyd, Ned Beatty, John Belushi, Christopher Lee, Toshiro Mifune, Warren Oates
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: 113 Minuten

Los Angeles, 1941: Als kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor ein japanisches U-Boot vor der Küste auftaucht, scheint die Filmmetropole dem Untergang geweiht. Zu allem entschlossen, treten einige wohlmeinende Patrioten an, ihr Land zu verteidigen – selbst wenn sie dabei die halbe Stadt in Schutt und Asche legen müssen.
Quelle: Moviepilot.de

Kritik:

„1941“ wird gerne als Tiefpunkt von Spielbergs Gesamtwerk angesehen. Man muss den Film maximal 10 Minuten lang anspielen, um schmerzlich zu erfahren warum das so ist. Die Action-Komödie ist ein greller Dauerzustand von lautem Getöse und wohl der Urahne von dem Standard-Drehbuch, das uns immer wieder in gerinfügig abgeänderter Fassung in Form von jämmerlichen TV-Radau-Filmen wie „Autobahnraser“ oder „Morgen, ihr Luschen – Der Ausbilder-Schmidt-Film“ aufgetischt wird. Alles was dagegen spräche, Spielberg als Regisseur Respekt zu zollen, ist in diesem Film gebündelt und auf ungenießbare zwei Stunden gestreckt.

Bunter Humor

Humor ist ja bekanntermaßen Geschmackssache. Dem potenziellen Zuschauer dieses Films sei aber verraten, dass „1941“ das genaue Gegenteil von schwarzem Humor bietet. Es ist bunter, comichafter Humor, der sich für keine Pointe zu schade ist, schließlich gilt es mindestens ein halbes Dutzend solcher pro Minute in Richtung Publikum zu feuern. Als Erwachsener fühlt man sich veräppelt und um Derbheit betrogen, die man von einer Kriegskomödie doch erwarten dürfte. „1941“ ist ein Film für die ganze Familie und tatsächlich so etwas wie das eingelöste Versprechen einen Cartoon mit echten Schauspielern zu filmen. Dabei erreicht Spielberg lediglich die Oberfläche seiner animierten Vorbilder. Prüde in der Darstellung von Sex und Gewalt ist die Überzogenheit seiner Figuren von kinderfreundlicher, offensichtlicher Albernheit und leider auch eminenter Unwitzigkeit. Möglicherweise bin ich da zu empfindlich, aber mir persönlich hat der Film solche Bauchschmerzen gemacht, dass ich mehrere längere Pausen machen musste, bis mich endlich der Abspann erlöste.

Klischees und erzählerischer Stillstand

Die eigentlichen Pluspunkte verspielt Spielberg aber auf ganz anderen Feldern. Ein Film, der den zweiten Weltkrieg vor die Tore Hollywoods holt, hätte ein riesiges Potenzial, mit intelligenten Anspielungen an die Kriegsparteien des zweiten Weltkrieges auszuteilen. Die Rolle Hollywoods als Propaganda-Plattform wäre ebenso obligatorisch. „1941“ macht aber keinen Hehl daraus, dass hier massenverständliche Klischees aufgefahren werden und die Steilvorlage des etwas anderen zweiten Weltkrieges nur für einen platten Actioner auszuschlachten, wie er auch auf deutschen Autobahnen schon in unsäglichen BRD-TV-Produktionen stattfand. Eine weitere Schwäche des Films ist ein dauerhaftes Fehlen von Spannung oder interessanter erzählerischer Kniffe. Der Feind erscheint ungefährlich und bewegt sich die ganzen zwei Stunden über nicht von der Stelle. Ein paar cartoonhafte Stereotype sind 115 Minuten damit beschäftigt, irgendwas irgendwo explodieren zu lassen. Dieser Overflow an buntem Effektgetümmel wirkt schon nach einer halben Stunde übersättigend.

Spielberg hat 1979 mit seiner sinnlosen Familiengaudi „1941“ Hollywood mehr zu Grabe getragen als parodiert. Ein zu Recht vielerseits verrissenes Ärgernis, das man für meinen Geschmack in zu vielen Spielberg-Filmen noch herausschmecken kann.

2/10

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